meine-Festtagsgedichte.de
Herzlich Willkommen

Ostergeschichten neuzeitlicher Autoren

Ostergeschichten - Besinnliche und heitere Geschichten zur Osterzeit.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Autoren, die mir die Erlaubnis zur Veröffentlichung ihrer Geschichten erteilt haben.

Osterhäschen im Korb mit Blumen
Bild: Alexandra H. / pixelio.de

Bitte beachten:
Das Copyright der Texte liegt bei den jeweiligen Autoren!

Geschichten zur Osterzeit von A - Z

Das Osterei auf der Fensterbank
von Elke Bräunling

Das Osterfeuer
von Antje Steffen

Das schönste Ei
von Antje Steffen

Das ungeschickte Osterhäschen
von Eva Zimmermann

Die rechte Osterfreude
von Elke Bräunling

Frau u. Herr Igel bereichern d. Osterfest
von Barbara Pronnet

Hase Muck stielt ein Ei
von Gisela Brix

Hilfe für Pips, das Hasenkind
von Elke Bräunling

Elke Bräunling
Die rechte Osterfreude

Am Ostermorgen stand ein Korb voller bunt bemalter Eier im Garten der Paulsens. Sonst nichts. Keine Schokohasen, keine hübsch verpackten Ostergeschenke, keine Karte mit Ostergrüßen. Nichts. Da war nur dieser Korb, einfach und schmucklos und irgendwie langweilig. Und schwer war er. So schwer, dass ihn Mara und Max nur zu zweit hochheben und tragen konnten. Seltsam.
„So viele Eier!“, staunt Mara. „Warum bringt uns der Osterhase so viele Eier?“
„Wenn es wenigstens Schoko-Eier wären!“, mault Max.
Auch Mama und Papa gucken etwas komisch.
„Wo sind denn all die Nester, die ich heute Morgen ganz früh, äh, ich meine natürlich, die der Osterhase heute Morgen hier versteckt hat?“, murmelt Papa.
Und Mama blickt ein bisschen wütend zum Nachbarhaus, wo Oma und Opa wohnen, hinüber und schüttelt den Kopf.
„Ostern ist doof!“, mault Max wieder. „Wer soll denn die vielen Eier aufessen?“

weiter lesen

Mara überlegt. Sie erinnert sich daran, wie Oma neulich im Park etwas von „älteren Menschen, die einsam sind und wenig zum Freuen haben“, gesagt hatte. Ein bisschen traurig hatte dabei sie zu dem Seniorenstift am Rande des Parks geschaut und „Hach ja!“ geseufzt.
„Hach ja!“, sagt Mara nun, und jetzt weiß sie, warum der Osterhase – oder wer auch immer sonst – diesen Eierkorb in ihren Garten gestellt hat.
„Fass mit an!“, sagt sie zu Max. „Heute sind wir die Osterhasen.“ Sie flüstert ihrem Bruder etwas ins Ohr.
„Toll! Das machen wir!“ Max nickt.
Dann laufen die Geschwister mit dem Eierkorb zum Seniorenstift hinüber. Mehr als eine Stunde sind die beiden als ‚Osterhasen‘ unterwegs, gehen im Stift von Zimmer zu Zimmer, wünschen ‚Frohe Ostern‘ und schenken jedem Bewohner ein Osterei.
Wie viel Freude macht es, die Freude in den Gesichtern der Stiftbewohner zu sehen!
„Das ist die rechte Osterfreude!“, sagt Mara zu Max auf dem Heimweg. „Sie fühlt sich schön an.“
Max nickt. „Und gar nicht doof“, sagt er.

© Elke Bräunling

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Elke Bräunling - zur Internetseite der Autorin

Gisela Brix
Hase Muck stiehlt ein Ei

Wenn man in das Märchenland hinein geht, ist gleich hinter dem Wald eine große Wiese, auf der die allerschönsten Blumen blühen. Hier wohnt der Osterhase mit seiner Familie. In jedem Jahr treffen sich dort die Bewohner des Märchenlandes und feiern mit dem Osterhasen das Osterfest.

Alle freuen sich auf das Fest und jeder hilft mit, damit es richtig schön wird. Schneewittchen und die sieben Zwerge lernen neue Lieder, die sie beim Fest singen werden. Das tapfere Schneiderlein näht eine kleine Fahne. Rumpelstilzchen spinnt bunte Fäden. Dornröschen und Frau Holle sticken damit ein buntes Osterei und die Worte „das schönste Osterei des Jahres“ auf die Fahne. Alle nennen sie die Siegerfahne und das hat seinen Grund.

Denn in jedem Jahr zu Ostern findet im Märchenland ein Ostereier-Malwettbewerb statt. Jeder kleine Hase, der in die Hasenschule geht, bemalt ein Ei. Und wer das schönste Osterei bemalt hat, bekommt die bunte Fahne. Er darf sie mit nach Hause nehmen und bis zum Osterfest im nächsten Jahr im Garten aufstellen.

Doch in einem Jahr hätte es beinahe viel Ärger beim Osterfest gegeben und das kam so:

weiter lesen

Es gab einmal einen kleinen Hasen mit dem Namen Muck. Er wollte ein ganz besonders schönes Osterei malen und hatte eine tolle Idee. Er wusste, dass Hans im Glück mit seiner Gans neben Frau Holle wohnte. Vielleicht hatte diese Gans schon Eier gelegt. Muck schlich leise dorthin, wo sie lebte und sah, dass dort ein großes Ei lag. Als die Gans in eine andere Richtung schaute, nahm er das Ei und lief davon. Im gleichen Moment bemerkte ihn die Gans und rannte wütend hinter ihm her. Aber da Hasen schneller laufen können als Gänse, konnte sie Muck nicht einholen.

Als er ein Stück vom Haus weg war, setzte er sich ins Moos und schaute das Ei an.  Plötzlich hörte er eine Stimme: „Na, findest du gut, was du getan hast?“ Muck drehte sich um und sah neben sich einen anderen kleinen Hasen sitzen. Er sah genauso aus wie Muck, hatte aber zwei Flügel auf dem Rücken. „Wer bist du denn?“, fragte Muck erstaunt. „Ich bin dein Schutzengel“, antwortete der andere Hase: „Ich passe auf dich auf. Und wenn du etwas vorhast, das nicht in Ordnung ist, ermahne ich dich.“

Ich habe dich noch nie gesehen“, sagte Muck. „Ich bin ja auch sonst unsichtbar“, meinte der Schutzengel. „Aber dieses Mal musste ich sichtbar werden, weil du etwas Schlimmes getan hast.“

Angestrengt dachte Muck nach und plötzlich wurde ihm klar, was passiert war. Er hatte gestohlen - er war ein Dieb - er war ein Eierdieb. Er schämte sich so sehr, dass er einen roten Kopf bekam. „Endlich hast du kapiert, was los ist. Jetzt überlege mal, wie du das wieder in Ordnung bringen kannst,“ sagte sein Schutzengel.

„Vielleicht sollte ich das Ei einfach hier im Moos liegen lassen“, flüsterte Muck schüchtern. Doch sein Schutzengel antwortete ganz zornig: „Wenn du das tust, dann bist du nicht nur ein Dieb, sondern auch noch ein Feigling.“

Muck wusste nicht, was er machen sollte und schaute seinen Schutzengel hilflos an. „Du bringst das Ei zurück, entschuldigst dich bei der Gans und dann ist alles wieder gut,“ meinte sein Schutzengel.

Als Muck das hörte, zitterten ihm vor Angst die Knie und er sagte: „Die verhaut mich doch so, dass ich grün und blau werde.“ „Ich gehe mit dir und passe auf dich auf. Dafür bin ich ja da“, tröstete sein Schutzengel. Ganz langsam ging Muck wieder zurück. Je näher er kam, desto öfter blieb er stehen. Doch jedes Mal schubste ihn sein Schutzengel und rief: „Vorwärts - mache jetzt nicht schlapp. Was du dir eingebrockt hast, musst du auch auslöffeln.“

Als Muck bei der Gans ankam, bemerkte sie ihn sofort und kam drohend auf ihn zu. Muck hielt ihr das Ei entgegen und stotterte: „H-h-hier ist das Ei, d-das ich gestohlen habe. E-Entschuldigung.“ Er nahm all' seinen Mut zusammen und erklärte der Gans, warum er das Ei weggenommen hatte. Die Gans hörte zu und sagte dann streng: „Bring das Ei dahin, wo es vorher war.“ Muck tat das, was sie gesagt hatte. Beim Weggehen machte er einen großen Bogen um die Gans, denn sie sah sehr gefährlich aus. Dann lief er so schnell weg wie er konnte und hörte, wie sein Schutzengel rief: „Das hast du gut gemacht - ich bin stolz auf dich.“

Und nun malte Muck beim Malwettbewerb genauso ein Ei an wie die anderen kleinen Hasen. Es wurde ein wunderschönes grasgrünes Osterei. Viele weiße Gänseblümchen und rote Marienkäfer waren drauf. Alle meinten, dass es das allerschönste Osterei des Jahres war und Muck bekam die tolle bunte Siegerfahne.

Nun durften die kleinen Hasen ihr bemaltes Ei verschenken. Muck nahm sein Ei und lief damit zu der Gans. Als er bei ihr war, sah ihn die Gans aufmerksam an. Aber Muck hatte nun keine Angst mehr vor ihr. Er rief „Frohe Ostern“ und schenkte ihr sein bemaltes Ei - das schönste Osterei des Jahres.

Und so wurde es ein richtig schönes Osterfest. Es wurde gelacht und gesungen und jeder hatte gute Laune. Muck freute sich, dass er die Fahne bekommen hatte und kein Dieb mehr war. Die Gans freute sich über das bunte Osterei und auch der Schutzengel freute sich. Denn mit seiner Hilfe war alles wieder in Ordnung gekommen.

(c) Gisela Brix

aus der Anthologie „Das Osterfest im Märchenland“, net.-Verlag

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Gisela Brix

aus der Anthologie „Das Osterfest im Märchenland“, net.-Verlag


Barbara Pronnet
Ostern Multikulti in unserer Wohnanlage

„Seit so viele Ausländer  hier sind schaut es in unserer Anlage aus, unfassbar“. Herr und Frau Müller belagerten mich jetzt schon gefühlte Stunden im Hausflur um sich über die riesigen Müllberge in unserer Wohnanlage und das Flüchtlingsthema auszulassen. Ich entschuldigte mich wegen einem wichtigen Termin und huschte in meine Wohnung. Meine alten Nachbarn waren wirklich gute Menschen aber ihre Ansichten deckten sich nicht wirklich mit meinen. Sicher, es lungerten immer öfters Jugendliche jeder Herkunft in unserem Viertel rum und meistens ließen ihre Flaschen und Fastfood Kartons einfach liegen.
Umweltschutz sollte eigentlich jeder kapiert haben egal woher er kam.

Eigentlich hatte ich gerade aktuell andere Sorgen. Mein Kater Felix, Freigänger in unserer Wohnanlage war immer öfters abgängig. Ich vermutete einen Zweitplatz, bei Katzen durchaus beliebt. Felix schlüpfte nach seinem Ausbleiben gut gelaunt und ohne schlechtes Gewissen durch seine Klappe und fraß wohl mir zuliebe noch etwas von seinem Futter. Danach sprang er auf das Sofa und kuschelte sich zu mir. Eigentlich alles wie gehabt aber das lange Ausbleiben und das wenige Fressen machte mir Sorgen. Wo trieb er sich solange rum? Ich musste es herausfinden.

In der Karwoche hatte ich bereits Ferien als Lehrerin und als Felix nach seiner Morgenschüssel durch die Klappe nach draußen schlich, lief ich rasch aus meiner Wohnung und huschte durch die Einfahrt zu meinem kleinen Garten zurück. Mein Kater lief zielstrebig durch die Blumenrabatten unserer Anlage und verschwand durch ein Gebüsch hinter dem sich ein anderes Haus befand, ebenfalls mit Gartenwohnungen. Ich spähte über die Hecke und sah meinen Treulosen vor einer Terrassentüre sitzen und miauen. Prompt öffnete sich die Türe und Felix stolzierte mit hoch erhobenem Schwanz hinein.
Ich fasste es nicht. Das ist ja die Höhe. Ich lief um das gesamte Haus herum zu der Eingangstüre. Das Haus hatte zwei Gartenwohnungen, es musste die linke sein. Auf dem Türschild stand „Pawlow“.  Ich atmete tief durch und klingelte. Der Summer ertönte und ich stieß die Türe auf und ging durch den kleinen dunklen Flur. Eine Türe öffnete sich. Vor mir stand eine große wunderschöne Frau mit blonden hoch toupierten Haaren.
Sie trug enge Leopardenleggins und einen grellpinken Pullover.
„Ja bitte, kann ich helfen?“ sprach sie mit starken Ostblock Akzent.
„Hallo, ich heiße Susanne Weber und wohne im Haus gegenüber. Kann es sein, dass mein Kater Felix bei ihnen ist?“

weiter lesen

„Oh Felix ist Name von Mietzekatz, bitte komm rein, bitte“ Sie zog mich in ihre Wohnung und dirigierte mich in das Wohnzimmer. Da saß auch schon Felix wie ein Prinz auf dem goldenen Prokatsofa und sah mich verwundert an. Ich wurde daneben gesetzt und Frau Pawlow ließ sich in den Sessel gegenüber fallen. Sie strahlte uns beide an.

„So schön, dass ich gleich noch Frauchen von Katze kennenlerne. Katze saß immer so hungrig in meine Garten und ich nicht wusste wo kommt her?  Also ein bisschen Fisch gegeben und Katze ist durch Wohnung gegangen und so lieb und hat geschmust mit mir. Aber bitte, ich nicht habe festgehalten, ist immer gegangen wann wollte. Aber so schön das Besuch gekommen und ich habe immer so gefreut. Bitte nicht böse sein“.
Felix fixierte mich mit seinen grünen Augen. Siehst du, alles in Ordnung, ich pflege hier Nachbarschaft, schien er mir zu sagen.
„ Na, dann bin ich ja beruhigt und weiß wo sich mein kleiner Streuner rumtreibt“. Ich konnte der sympathischen Frau nicht böse sein.
„Ich bin Nadja“ stellte sich Frau Pawlow vor.
„Susanne“ sagte ich und hatte schon einen Prosecco in der Hand.

Es war fast Mittag als Felix und ich zu unserer Wohnung zurück gingen. Nadja musste zur Arbeit. Sie war Altenpflegerin, lebte seit 3 Jahren in unserer Anlage und kam aus Russland. Ihr Mann war Fernfahrer und sie war viel allein. Wir waren uns noch nie begegnet. Oder ich hätte sie nicht beachtet, dachte ich erschrocken über meinen bornierten Gedanken. Wenn Felix zu Besuch kam fühlte sich Nadja ein bisschen weniger einsam. Sie hatte kaum Anschluss mit anderen Nachbarn und am liebsten sah sie russisches Fernsehen nach der anstrengenden Arbeit, immer wieder mal mit Felix auf dem Schoss.

 Ich lud sie und ihren Mann zum Osterbrunch ein. Sie umarmte mich herzlich und wir  tauschten unsere Handynummern.

 Am Ostersonntag kamen meine zwei Freundinnen und das alte Ehepaar Müller zu mir. Ich kündigte ihnen die Pawlow‘s an und allein der Name ließ die beiden schon verstummen.
Felix saß mittendrin und schnupperte freudig Richtung Osterbuffet. Da fiel sicher ein kleiner Happen für ihn ab.

Es klingelte und Nadja kam mit ihrem Mann Josef, ein Russe wie im Bilderbuch. Groß und laut wie ein Bär. Die beiden brachten russische Köstlichkeiten und Krim Sekt  mit. 

Was soll ich sagen? Nadja, die sich mit alten Menschen auskannte, eroberte die Herzen der Müllers im Sturm und als Josef seine Fernfahrergeschichten und Nadja über das Altersheim erzählten, mussten wir lachen, staunen und auch ein paar Tränchen verdrücken. Großen Respekt vor diesen Berufen und mehr Wertschätzung, dachte wohl nicht nur ich in dem Moment.
Es war ein wunderbarer Ostersonntag. Es eröffnete uns allen ein wenig die Kultur des anderen und wir fühlten uns auch durch das gemeinsame Essen angenehm verbunden.

Ich war stolz auf meinen Kater. Er hatte wohl das richtige Gespür, sein Instinkt trieb ihn zu einer guten Seele und diese kam zurück zu mir. Ich freute mich über die neue Nachbarbekanntschaft und wusste Felix dort in guten Händen wenn ich im Urlaub oder dienstlich weg fahren musste. Die Müllers versorgten Felix gern, aber dass Kuscheln kam immer etwas zu kurz und es war eine zusätzliche Belastung, die ich ihnen nicht immer mit guten Gewissen aufgehalst hatte.

Als alle gegangen waren, räumte ich auf und setzte mich auf mein Sofa. Nadja hatte mir wunderschön bemalte Ostereier geschenkt. Ich betrachtete sie und Felix hüpfte zu mir und schmiegte sich mit seinem warmen Bauch an meinen Oberschenkel.
Da saßen wir beide, einträchtig zusammen und mit neuen Freunden in der Nachbarschaft.
Wir verbrachten Ostern Multikulti. So einfach könnten Vorurteile abgebaut werden.
Manchmal reicht da schon der offene Blick in der eigene Wohnanlage oder ein neugieriger Kater.

(c) Barbara Pronnet

*Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Barbara Pronnet - zur Autorenseite

Antje Steffen
Vorfreude auf Ostern

Hansi Hase freute sich. Endlich war es soweit. Ostern stand vor der Tür und im gesamten Hasendorf liefen die Vorbereitungen. Die älteren Hasenkinder waren auf dem Weg zu den Hühnern der Umgebung, um sich, von diesen, Eier geben zu lassen. Vorsichtig wurden diese in großen Körben, die auf dem Rücken getragen wurden, nach Hause transportiert. Im Hasendorf warteten die Hasenmamas, um die Eier zu kochen, damit diese bunt bemalt werden konnten.

Nachdem Hansi im letzten Jahr allein zu den Hühnern gegangen war, war er in diesem Jahr freiwillig zu Hause geblieben. Er wollte viel lieber Eier bemalen. Zwar hätte er beides machen können, aber er wollte sich vorher mit seinem Freund Manni, dem Eichhörnchen, treffen. Diesen hatte er bei seinem Abenteuer im letzten Frühjahr kennengelernt. Seitdem hatten die zwei viel Spaß miteinander gehabt.

Manni hatte Hansi gefragt, ob er ebenfalls Eier anmalen dürfte. Hansi war sich nicht sicher gewesen und wollte den Hasenältesten fragen. Er war zum Ältesten gegangen. Dieser hatte Hansi aufmerksam zugehört und sich zurückgezogen, um über die Bitte des kleinen Hasenjungen nachzudenken.

weiter lesen

In seinem langen Leben hatte es einen Fall wie diesen nicht gegeben und er wusste nicht, wie er entscheiden sollte. Deshalb hatte er Hansi nach Hause geschickt. Jetzt saß der alte Hase in seinem Haus und blätterte in seinem großen Osterhasenbuch. Er hoffte, hier eine Antwort zu finden. Das Buch war alt und wurde vom Ältesten zum nächsten Ältesten weitergegeben. Jeder schrieb seine Erfahrungen und Erlebnisse dazu und man konnte viele Dinge erfahren, wenn man in diesem Buch las

Er hatte zum Beispiel über Hansis Abenteuer berichtet. Einige Seiten weiter fand er einen Bericht über ein Hasenmädchen, das alle Eier gelb anmalte. Egal, was die anderen sagten, sie bestand auf gelben Eiern. Der Hasenälteste blätterte weiter und weiter. Es gab so vieles, da musste es einen Eintrag über andere Tiere geben, die am Eiermalen teilnehmen wollten.

Fast wollte er aufgeben, als er auf eine Seite stieß, die sich mit diesem Thema beschäftigte. Vor vielen Jahren gab es einen kleinen Hasen, der sich mit einem Dachs angefreundet hatte. Die zwei waren die besten Freunde gewesen. Als die Osterzeit kam, baten die Kinder darum, gemeinsam Eier bemalen zu dürfen. Damals hatte es eine Sitzung des Hasenrates gegeben. Nachdem dieser gründlich beraten hatte, wurde entschieden, dass der junge Dachs es versuchen durfte. Die Kinder hatten sich gefreut. Die Eier, die der Dachs bemalt hatte, waren wunderschön gewesen. Alle waren einig gewesen, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatten. Von diesem Jahr an hatten die Jungs gemeinsam am Eiermalen teilgenommen, und zwar solange, bis sie zu alt waren.

Der Hasenälteste lächelte. Das war die Lösung. Wenn die Hasen dem jungen Dachs erlaubt hatten, Ostereier zu bemalen, konnte er es wohl einem Eichhörnchen erlauben. Der alte Hase legte das Buch weg und machte sich auf den Weg zu Hansi.

Hansi saß zu Hause in seinem Zimmer und überlegte sich, wie er die Ostereier bemalen wollte. Er hatte ein Buch mit Mustern, seinen Zeichenblock und seine Farben vor sich und probierte die verschiedensten Muster aus. Als der Hasenälteste kam, sprang Hansi auf und lief ihm aufgeregt entgegen.

„Hallo, Hansi! Ich bin gekommen, um dir meine Entscheidung mitzuteilen. Ich weiß, du möchtest gerne wissen, ob dein Freund Manni mit dir gemeinsam Eier anmalen darf.“ Er blickte Hansi ins Gesicht und dieser nickte aufgeregt. Der Alte fuhr fort: „Da ich keinen Fall kannte, in dem ein anderes Tier Ostereier angemalt hat, habe ich in meinem großen Osterbuch nachgesehen. Es ist zwar lange her, aber ich habe einen Eintrag gefunden. Damals hat ein junger Dachs um die Erlaubnis gebeten, uns helfen zu dürfen. Die Ältesten haben seinerzeit entschieden, dem Dachs zu erlauben, Ostereier anzumalen. Es war eine neue Erfahrung und alle waren gespannt auf das Ergebnis. Die Eier wurden so schön, dass der Dachs noch lange geholfen hat. Du siehst, es ist möglich, dass uns andere Tiere helfen. Ich werde deinem Freund Manni erlauben, uns zu helfen.“

Hansi hatte gespannt zugehört. Jetzt hüpfte er vor Freude und jubelte laut. „Danke, danke, danke! Ich freue mich! Ich werde gleich zu Manni laufen und ihm Bescheid geben.“

Der Hasenälteste lächelte und sagte: „Warte einen Moment. Es gibt etwas, was ich dir zuvor sagen muss. Da keiner weiß, ob Manni Ostereier anmalen kann, soll er erst ein paar Probestücke machen. Sollten diese nicht gut genug sein, kann er nicht weitermachen.“

Hansi nickte. „Das verstehe ich. Wir können schließlich keine schlecht bemalten Eier verstecken. Manni ist bestimmt einverstanden. Darf ich jetzt zu ihm laufen?“

Der Hasenälteste nickte. „Lauf nur! Aber pass auf, du weißt, der Fuchs ist unterwegs!“

Hansi antwortete: „Weiß ich. Manni und ich haben uns etwas ausgedacht, um dem Fuchs auszuweichen.“

„Dann ist es gut. Komm bald zurück und bring deinen Freund zu mir.“

Hansi, der ein Stück weg war, drehte sich um und rief: „Mach ich! Bis bald.“ Und schon war der Hasenjunge verschwunden.

Der alte Hase blickte ihm lächelnd hinterher und ging zurück zu seinem Haus. Er hatte viel zu tun, bevor das Osterfest kommen konnte.

Hansi lief quer durch das Dorf. Er wollte in den Wald. Dort gab es einen Ort, den Hansi und Manni als Treffpunkt nutzten. Eine große Eiche war ihr Anlaufpunkt. Auf seinem Weg dorthin bewegte Hansi sich vorsichtig. Er wollte auf keinen Fall dem Fuchs in die Fänge geraten. Immer wieder blieb der Hasenjunge stehen und lauschte. Endlich erreichte Hansi den Baum. Er blickte sich um. Von Manni war nichts zu sehen. Hansi fing an, am Baum zu klopfen. Das war das ausgemachte Zeichen für Manni, dass Hansi auf ihn wartete. Nachdem er eine Weile geklopft hatte, versteckte Hansi sich im Dickicht. Dort wollte er auf Manni warten.

Es dauerte nicht lange, dann raschelte es in der Nähe von Hansis Versteck. Der Hasenjunge wollte gerade rauskommen, da sah er, wer auf der Lichtung war. Es war nicht Manni, sondern der Fuchs. Hansi blieb bewegungslos sitzen. Er durfte jetzt kein Geräusch machen und hoffte, der Fuchs würde schnell verschwinden. Dieser schien es nicht eilig zu haben. Er lief von rechts nach links, schnüffelte hier und da und machte keine Anstalten, die Lichtung zu verlassen.

Hansi wusste nicht, wie lange er noch stillsitzen konnte. Wenn nicht bald etwas passierte, würde der Fuchs ihn erwischen. Hansi hatte Angst. Als er dachte, dass der Fuchs ihn gleich entdecken würde, waren Geräusche zu hören. Der Fuchs spitzte die Ohren und lief in die Richtung, aus der der Lärm gekommen war. Hansi atmete auf, traute sich jedoch nicht aus seinem Versteck. Er blieb sitzen und versuchte, sich zu beruhigen.

Gerade wollte der kleine Hase sein Versteck verlassen, um nach Hause zu laufen, da hörte er es erneut rascheln. Hansi blieb, wo er war und lauschte. Diesmal hatte er Glück. Das Rascheln kam von Manni, der sich der Eiche näherte. Schnell kam Hansi aus seinem Versteck. Er sagte: „Bin ich froh, dass du es bist. Eben war der Fuchs hier und ich dachte, er würde mich erwischen.“

Manni grinste. „Ich weiß. Ich habe ihn gesehen. Da ich mir dachte, dass du hier auf mich wartest, musste ich mir etwas einfallen lassen. Zum Glück konnte ich den alten Räuber weglocken.“

Hansi staunte. „Das warst du? Dann verdanke ich dir meine Rettung. Vielen Dank! Das war wirklich knapp“

Manni zuckte die Schultern. „Du hättest das Gleiche für mich getan. Sag, warum bist du gekommen?“

Hansi lächelte. „Ich habe mit dem Hasenältesten gesprochen. Ich soll dir ausrichten, dass du die Erlaubnis bekommst, mit mir gemeinsam Ostereier anzumalen. Allerdings sollst du erst ein paar Probebilder malen. Der Älteste möchte wissen, ob du gut genug malst, um deine Eier zu den Kindern zu bringen.“

Manni freute sich. „Das ist toll! Soll ich gleich mitkommen?“

Hansi nickte. „Ja! Du kannst noch heute die Probe-Eier bemalen.“

Schnell machten sich die Freunde auf den Weg ins Hasendorf. Dabei waren sie vorsichtig. Schließlich konnte es sein, dass der Fuchs noch in der Nähe war.

Unbeschadet erreichten Hansi und Manni das Dorf. Hansi führte Manni zum Haus des Ältesten. Dort angekommen, klopfte der Hasenjunge an die Tür und wartete darauf, dass diese geöffnet wurde. Es dauerte nicht lange und der Älteste kam an die Tür. „Hallo, Hansi! Das ist sicher dein Freund Manni. Herzlich Willkommen! Kommt herein, ich habe alles vorbereitet.“

Die Jungs folgten dem alten Hasen in seine Werkstatt. Dort hatte er Farben und Pinsel und ein paar Eier bereitgelegt.

Manni war aufgeregt. Jetzt wurde es ernst. Würde er es schaffen? Manni hatte schließlich noch nie Eier bemalt. Der Älteste zeigte Manni alles. Er hatte Musterbilder herausgesucht, die es dem Eichhörnchenjungen erleichtern sollten, eigene Bilder zu malen. Manni guckte sich alles an und lauschte aufmerksam den Erklärungen des alten Hasen.

Als der Älteste geendet hatte, machte Manni sich ans Werk. Zuerst betrachtete er die Bilder, die auf dem Arbeitstisch lagen. Sie gefielen ihm sehr und er hoffte, er würde so etwas Schönes hinbekommen. Er sah sich die Pinsel genau an und wählte einen aus. Dann nahm er ein Ei und machte sich konzentriert an die Arbeit. Immer wieder warf er einen Blick auf das Beispielbild, an dem er sich versuchen wollte. Seine Zunge bewegte sich von einem Mundwinkel zum anderen. Es dauerte eine Weile, dann war es geschafft. Vorsichtig legte Manni das fertige Ei ab und wandte sich an Hansi und den Hasenältesten. Gespannt wartete er auf das Urteil des Alten. Dieser ging näher zum Tisch und besah sich Mannis Kunstwerk von allen Seiten. Die Kinder standen nebeneinander und warteten aufgeregt, was er sagen würde. Es dauerte einen Moment. Der Hasenälteste drehte sich um und lächelte Manni zu. „Das ist ein wunderschönes Ei. Ich denke, damit hast du gezeigt, dass du uns beim Ostereieranmalen helfen kannst. Hansi wird dir alles erklären.“

Manni und Hansi fielen sich um den Hals. Sie lachten und jubelten und als sie sich beruhigt hatten, sagte Manni: „Vielen Dank! Ich werde mir viel Mühe geben und versuchen, viele schöne Eier zu malen.“

Der alte Hase schmunzelte und erwiderte: „Das glaube ich dir und jetzt wäre es schön, wenn ihr mir helfen würdet hier aufzuräumen.“

Das machten die Jungs gern und bald sah der Arbeitstisch blitzsauber aus. Hansi und Manni verabschiedeten sich und machten sich auf den Weg zu Hansis Haus.

In den nächsten Tagen waren alle Hasenkinder damit beschäftigt, die gekochten Eier anzumalen. Hansi und Manni waren mittendrin und wetteiferten darum, wer das schönste Ei malte. Dabei hatten sie viel Spaß und es wurden viele wunderschöne Eier gemalt. Alle waren sich einig, dass es eine gute Idee gewesen war, Manni beim Malen mitmachen zu lassen.

Der Hasenälteste, der alles beobachtete, hatte die Idee, einen Wettbewerb zu starten. Aus allen Eiern, die in diesem Jahr bemalt wurden, sollte das Schönste gefunden werden. Der Künstler würde eine kleine Belohnung erhalten. Alle Hasenkinder waren begeistert und malten voller Eifer. Als kein Ein mehr übrig war, wurden die Eier aufgebaut und von einer Jury begutachtet. Die Wahl fiel ihnen nicht leicht. Nachdem die Hasen sich beraten hatten, fiel eine Entscheidung. Der Hasenälteste rief alle zusammen, um den Gewinner zu verkünden. Er stellte sich neben den Eiertisch und sagte: „Liebe Freunde und liebe Künstler! Nach eingehender Beratung hat die Jury einen Sieger gekürt. Gewonnen hat: Manni, das Eichhörnchen.“

Alle Hasen jubelten und Manni konnte sein Glück kaum fassen. Hansi beglückwünschte seinen Freund. Dieser bekam einen großen Korb voller Nüsse überreicht. Außerdem versprach ihm der Hasenälteste, dass er im nächsten Jahr erneut als Eiermaler ins Hasendorf kommen dürfe.

Am nächsten Tag wurden die Eier versteckt und es kehrte Ruhe ein im Hasendorf.

© Antje Steffen

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - Zur Autorenseite von Antje Steffen

Eva Zimmermann
Das ungeschickte Osterhäschen

Die ganze Osterhasenfamilie zog mit einem Bollerwagen in den Wald, um Material für die Nester aufzusammeln, die man bald brauchen würde. Emil, der jüngste Spross der Hasenfamilie, war ganz in seinem Element. Er schleppte die biegsamsten Zweige herbei, das weichste Moos, die duftendsten Gräser. Vor seinem inneren Auge sah er schon die fertigen Werke: wunderschöne, fantasievoll verzierte, kunstvoll gefertigte Osternester, runde, quadratische und ovale. Es juckte ihm in den Fingern, gleich mit der Arbeit anzufangen und er freute sich auf den nächsten Tag, an dem er endlich ein vollwertiger Osterhase werden sollte!

Ein jeder sah es als selbstverständlich an, dass auch Emil das Eierbemalen erlernen würde. Er selbst war gar nicht erst gefragt worden. So kam es, dass seine Mutter am nächsten Tag, als die gesamte Familie sich zum Arbeiten um den großen Tisch versammelt hatte, ein paar Farbtöpfe vor ihn stellte, ihm einen Pinsel in die eine und ein weißes Hühnerei in die andere Pfote drückte und ihn lächelnd aufforderte: „So, Emil, dann leg mal los!“

weiter lesen

Der kleine Hasenjunge, der den anderen Familienmitgliedern schon so oft zugesehen hatte, machte sich gleich mit Feuereifer ans Werk. Er tunkte den Pinsel tief in die rote Farbe. Er hatte Schwierigkeiten, den dünnen Stiel in der Pfote zu halten und – Klecks! Klecks! Klecks! – tropfte die Farbe überall hin, nur nicht auf das Ei. „Macht nichts“, dachte sich Emil, „dann nehme ich eben die blaue Farbe!“ Er tauchte einen sauberen Pinsel ganz vorsichtig nur mit der Spitze in den Farbtopf und konzentrierte sich so darauf keine Kleckse zu machen, dass er dabei ganz die andere Pfote vergaß, die das Ei hielt. Schon war es ihm hinausgerutscht, fiel auf den Tisch und – knacks! – die Schale war zerbrochen. „Oh, was war das denn?“, fragte sich der kleine Hase erstaunt. Seine Geschwister verdrehten die Augen und kicherten heimlich über den kleinen Tollpatsch. Sie hatten alle von Anfang an wunderschöne Ostereier fabriziert und nicht ein Kleckschen war auf dem Tisch gelandet, von zerbrochenen Eiern gar nicht zu reden. Mutter Osterhase seufzte leise, streichelte ihrem Sohn über die langen Ohren und ermunterte ihn: „Versuch es noch einmal! Das wird schon!“

Diesmal war Emil noch vorsichtiger. Er nahm ein neues Ei aus dem großen, flachen Korb in der Tischmitte und legte es vor sich hin. So konnte er es wenigstens nicht fallen lassen. Er entschied sich jetzt für die grüne Farbe und stupste den Pinsel, der in seiner Pfote zu rutschen begann, mit mehr Schwung auf die Eierschale, als er beabsichtigt hatte. Das war wohl zu heftig, denn das Ei rollte über den ganzen Tisch und landete auf dem Schoß des Vaters, der nun eine grün bekleckerte Hose hatte.

„So geht das nicht“, befand der Vater entnervt und schickte seinen Sohn nach draußen, um ein bisschen in der Sonne herumzuhoppeln. Mit hängenden Ohren verließ Emil die Hasenwerkstatt. Er schämte sich, hatte er doch mit seiner Ungeschicklichkeit seine ganze Familie enttäuscht! Wie konnte er nur beweisen, dass auch er ein richtiger Osterhase war?
Da kam ihm eine Idee …

Die Hasenfamilie steckte die Köpfe zusammen und beriet. So ein ungeschicktes Hasenkind war ihnen noch nie untergekommen! Wie kam es, dass Emil so aus der Art geschlagen war? Wie konnte man aus ihm doch noch einen brauchbaren Osterhasen machen? „Vielleicht“, meinte Ernestine, das älteste Hasenkind, „hat Emil irgendeine Krankheit?“ Aber die Mutter schüttelte energisch den Kopf. „Dr. Löffel hätte das doch bemerkt! Nein, ich denke, Emil ist einfach nur faul und spielt lieber herum!“ Vater Hase widersprach: „Wir haben doch alle gesehen, wie fleißig er gestern im Wald gearbeitet hat! Faul ist er ganz gewiss nicht!“ Einen Augenblick sahen sich alle ratlos an, dann sagte Emils Bruder Enno: „Es könnte doch sein, dass die Pinsel und Eier einfach zu klein für Emil sind!“ Die Mutter nickte nachdenklich: „Er hatte schon bei seiner Geburt auffallend große, kräftige Pfoten! Aber daran können wir leider nichts ändern! Dann kann unser armer Emil als erstes Mitglied dieser Familie kein Osterhase sein!“ Alle seufzten. Der Junge hatte sich doch so darauf gefreut, endlich ein richtiger Osterhase zu werden! „Emil kann noch ein bisschen draußen spielen, da kann er wenigstens hier drin kein Unheil mehr anrichten!“, sagte der Vater schweren Herzens. „Lasst uns derweil weitermalen!“  Alle gingen an ihre Plätze zurück und griffen wieder zu den Pinseln.   

Nach einigen Stunden waren nicht nur alle Eier aus dem flachen Korb bemalt, sondern auch die aus drei riesigen Kiepen. Die Hasen und Häschen verschlossen die Farbeimer und reinigten Pinsel und Pfoten. „So“, verkündete die Mutter, „Zeit für eine Möhre und ein Glas Wasser, dann geht es ans Nesterbauen!“ Mona und Rhea zogen lange Gesichter. „Das ist so langweilig! Außerdem ist es eine zu grobe Arbeit für unsere kleinen Pfötchen! Bei uns werden die Nester auch nie rund und glatt, sondern hässlich und struppig!“ Der Hasenvater musste seinen beiden Töchtern im Stillen recht geben. Ihre Nester waren nie sehr schön anzusehen. Aber es half nichts, auch das gehörte zur Arbeit eines Osterhasen.

Als alle sich gestärkt hatten, drängten sie aus der Werkstatt ins Freie und liefen um den Bau herum zum Bollerwagen. Plötzlich blieben sie wie angewurzelt stehen und starrten auf das, was sie da erblickten: Rund um den Wagen standen viele Reihen von wunderschönen, fantasievoll verzierten, kunstvoll gefertigten Osternestern – runde, quadratische und ovale! Daneben saß Emil, der seiner Familie ängstlich-gespannt entgegensah. Wie würden seine Eltern und Geschwister wohl reagieren? Nach einem Moment verblüffter Stille brach ein Jubel aus und alle versuchten gleichzeitig Emil zu umarmen. „Das sind die besten Nester, die wir je hatten!“ – „Emil, du bist ein Künstler!“ – „Wer solche Nester baut, muss gar keine Ostereier bemalen können!“  Alle riefen durcheinander und freuten sich für den Jüngsten der Familie.

Am Ostersonntag in aller Frühe war es Emil, der mithilfe seiner Familie stolz den Bollerwagen von Haus zu Haus zog und die gefüllten Nester in den Gärten versteckte. Es stand eigentlich nur dem Familienvater zu, die Verstecke auszusuchen, aber alle waren einhellig der Meinung gewesen, dass Emil sich die Ehre in diesem Jahr redlich verdient hatte!

(c) Eva Zimmermann

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Eva Zimmermann 

Elke Bräunling
Wie ist das mit dem Osterhasen?

Wie ist das mit dem Osterhasen? Das wollen Mia und Max nun genau wissen. Gibt es ihn oder gibt es ihn nicht? Mia und Max kennen ihn nur aus Büchern oder als Schokohase.
„Eigentlich“, meint Max, „kann ich nicht glauben, dass Hasen Eier legen und die auch noch bunt bemalen.“
„Und dass sie mit einem Eierkorb auf dem Rücken durch die Gegend hüpfen, kann ich mir schon dreimal nicht vorstellen“, kichert Mia. Dann wird sie ernst. „Mama und Papa schwindeln uns aber doch nicht an, oder?“
Max schüttelt den Kopf. „Mama sagt, Schwindeln ist gemein.“
„Stimmt.“ Mia denkt nach. Zu gerne würde sie sehen, wie der Osterhase durch den Garten hüpft und Eier in die Nester legt. Aber wie?
„Ich hab eine Idee“, sagt Max. „Wir beobachten am Ostermorgen den Garten. Ganz einfach, oder?“
Mia nickt. „Gute Idee. Irgendwann muss der Osterhase ja kommen.“
Gesagt! Getan! Am Ostermorgen sitzen Mia und Max schon sehr früh am Fenster auf Wachtposten. Es ist noch dunkel draußen und ein bisschen nebelig. Unheimlich sieht der Garten aus, und wie ein Grusel-Nebelgeist streckt der Kirschbaum seine Äste in die Luft.
„Also jetzt“, meint Mia, „möchte ich nicht im Garten sein.“
„Da hinten wird´s schon hell“, beruhigt sie Max. „Vorher kommt der Osterhase sowieso nicht. Oder, glaubst du, der tappt im Dunkeln herum?“

weiter lesen

„Nööö“, meint Mia.
Dann beobachten die beiden aufmerksam den Garten, und vor lauter Hinausstarren legt sich ihnen der Nebel wie ein Schleier über die müden Augen.
Da, plötzlich, raschelt es beim Haselstrauch!
Mia schreckt hoch. „D-daaa!“, ruft sie. „D-der Osterhase!“
„Der Osterhase?“ Schnell reißt Max die Augen auf. „Toll! Wir haben ihn.“
Komisch. Taghell ist es draußen, und die Sonne scheint.
Mia und Max wundern sich. Gerade war es doch noch so grausig finster und nebelig!? Oder haben sie die Zeit verschlafen? Aufgeregt starren die beiden zum Haselstrauch hinüber, wo der ´Osterhase´ gerade seine Eier versteckt.
„Er ist es!“, ruft Mia. „Ganz bestimmt. Juchhu!“
Da taucht der ´Osterhase´ auch schon hinter den Büschen auf. Er macht „miau“ und kommt zu ihnen herüber stolziert.
„Das ist ja bloß Felix!“ Enttäuscht starren Mia und Max Kater Felix an, der erwartungsvoll zu ihnen herauf blickt.
„Hast du den Osterhasen gesehen?“, fragt Mia.
Felix aber scheint sich nichts aus Osterhasen zu machen. Er maunzt und marschiert mit hoch erhobenem Schwanz weiter.
„Und wo ist der echte Osterhase?“, fragt Mia enttäuscht.
„Vielleicht kommt er ja noch“, meint Max. Im gleichen Augenblick sieht er etwas im Gras silbern blinken. „Ein Osterei“, ruft er. „Ich glaube, der Osterhase war schon da!“
„Aber ja“, ruft Papa fröhlich von der Terrasse herüber. „Frohe Ostern, ihr Langschläfer!“
„Frohe Ostern“, rufen Mia und Max kleinlaut zurück.
Hatten sie ihn also verpasst, den Osterhasen. So ein Pech! Nächstes Jahr aber würde er ihnen nicht mehr entkommen. Wie die Luchse würden sie aufpassen. Und einschlafen würden sie auch nicht wieder. Logo!

© Elke Bräunling

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Elke Bräunling - zur Internetseite der Autorin

Gisela Brix
Wie die Fliegenpilze ihre roten Hüte bekamen

Kaum jemand weiß, dass die Fliegenpilze eigentlich etwas mit den Osterhasen zu tun haben. Denn das ist eine alte Geschichte.

Alle kleinen Hasen gehen jeden Tag in die Hasenschule und wenn einer von ihnen ganz besonders klug ist, dann kann er eine Lehre als Osterhase machen und später sogar ein Osterhasen-Meister werden. Und von einem dieser Osterhasen handelt die Geschichte.

Vor langer Zeit - es war in den Wochen vor Ostern - mischten alle Osterhasen bunte Farben und malten die Ostereier an. Als die Eier fertig waren und nur noch versteckt werden mussten, bemerkte ein kleiner Osterhase, dass in seinem Eimer noch ein wenig leuchtend rote Farbe war. Bis zum nächsten Jahr konnte er sie nicht aufheben und wegwerfen wollte er sie auch nicht - dazu war sie zu schön.

Er dachte nach, was er mit der roten Farbe machen könnte und ging dabei am Waldrand immer auf und ab und ab und auf. Plötzlich sah er zwischen den abgefallenen Blättern einen großen braunen Pilz vom letzten Herbst liegen und hatte eine Idee.

weiter lesen

Er nahm seinen Pinsel, tauchte ihn in den Farbeimer und malte den großen braunen Pilzhut mit dem Rest der roten Farbe an. Dann stellte er den roten Pilz unter einen Weidenstrauch und freute sich, wie schön er aussah. Und während er sich freute, fielen von dem Weidenstrauch kleine weiße Flöckchen auf den roten Hut des Pilzes und machten ihn so hübsch, dass der Osterhase vor Freude lachte.

Plötzlich hörte er Stimmen und sah die anderen Osterhasen näherkommen. Und weil er ein etwas schüchterner Osterhase war, deckte er den roten Pilz schnell mit einigen Blättern zu.

Als dann der Herbst kam und die Osterhasen in den Wald gingen, um Gräser und Beeren für den Winter zu sammeln, hörten sie die aufgeregten Rufe eines älteren Osterhasen. Schnell liefen alle zum Waldrand und sahen staunend zwischen den Blättern den Hut eines Pilzes rot leuchten.

Der ältere Osterhase sagte: „So einen wunderschönen Pilz habe ich noch nie gesehen! Wie hübsch er ist mit den weißen Tupfen auf seinem roten Hut!“ Niemand konnte sich denken, wo dieser Pilz hergekommen war, selbst nicht die ganz alten Osterhasen, die doch schon viel erlebt und gesehen hatten.

Nach einer Weile sagte der schüchterne kleine Hase: „Ich habe im Frühling diesen Pilz mit einem Rest von der Ostereierfarbe angemalt und ihn dann versteckt.“ Die anderen Osterhasen hörten ihm zu, sahen einander an und dann sagte der älteste aller Osterhasen: „Das ist eine gute Idee. Wie schön ist es doch, wenn im Herbst so ein roter Pilz alle Menschen an den Frühling und die bunten Ostereier erinnert. Wir wollen es von nun an in jedem Jahr so machen.“

Seit dieser Zeit färben alle Osterhasen im Frühling nicht nur die Ostereier, sondern malen auch die Pilze vom letzten Herbst mit roter Farbe an. Sie streuen einige Weidenkätzchen darüber und verstecken die bunten Pilze unter abgefallenen Blättern.

Wenn dann im Herbst der Wind die Blätter fortweht, kann jeder die roten Pilze mit den weiß getupften Hüten sehen und sich darüber freuen. Man sollte sie aber nur angucken und nicht anfassen, denn sie sind giftig.

Und weil der Osterhase, der vor langer Zeit den ersten Pilz rot anmalte, den Namen „Fliege“ hatte, nannte man diese Pilze zuerst „Flieges Pilze“. Später wurde dann „Fliegenpilz“ daraus.

Und so kann etwas Schönes entstehen, wenn man eine gute Idee hat und dann so mutig ist und etwas tut, was sonst niemand tun würde.

(c) Gisela Brix

Aus dem Buch „Kalle mit der grünen Mütze“, Altius-Verlag

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Gisela Brix

Aus dem Buch „Kalle mit der grünen Mütze“, Altius-Verlag


Barbara Pronnet
Frau und Herr Igel bereichern das Osterfest

Es war einmal ein verliebtes Igelpaar das glücklich durch die zarte Frühlingswelt trippelte. Alles grünte und blühte und sie schauten sich treu in die schwarzen Äuglein und freuten sich des Lebens. Die warme Luft machte alle Tiere taumelig. Schmetterlinge flatterten um die Wette, die Vögel jubilierten sich Hochzeitsgesänge zu. Es war eine einzige Wonne

Eines Morgens wollten die beiden Igel ihren Nachbarn den Hasen besuchen. Er war die letzten Wochen etwas sonderbar, grüßte nur kurz mit seinem Näschen und machte insgesamt einen gestressten Eindruck.
Das geht ja gar nicht, meinten sie und als sie vor dem Bau des Hasen standen war der schon wieder nicht zu Hause.

„Also wirklich, schon in der Früh so eine Hektik, wo steckt er nur schon wieder““
Das kleine Igelmädchen schnupperte in die dunkle Höhle.

„Lass ihn, wir kommen später noch mal vorbei“ meinte ihr Liebster und sie wollten gerade aufbrechen als der Hase angehoppelt kam.

„Hallo Nachbar, alles klar?“ lachten sie fröhlich.

„Ist es nicht herrlich heute?“ Herr Igel strahlte den Hasen freudig an.

„Es ist eine wunderschöne Zeit, das stimmt und ihr alle könnt sie nach Herzenslust genießen. Aber leider nicht für uns Hasen und Hühner. In drei Tagen ist Ostern und ich weiß nicht mehr wo mir die Löffel stehen. Unsere Geschenke für die Kinder hier in der Umgebung müssen noch fertig gelegt und bemalt werden. Alle sind im Ausnahmezustand. Tut mir leid Kinder, aber ich würde euch gerne einspannen aber ihr nutzt uns leider gar nichts und deshalb bis nach Ostern.
Macht’s gut“ und schnell war er in seine Höhle gehuscht, sprang schon wieder raus und weg war er. Hektik macht eben vergesslich.

Das Igelpärchen konnte gar nicht so schnell denken wie der Hase sprach.

weiter lesen

„Ach, Ostern, ja das ist natürlich eine harte Zeit für Hasen. Haben wir zwei ganz vergessen, nicht war meine Süße“ Der Igelmann gab seiner Gattin einen kleinen Stups auf die Nase. „ Dann gehen wir wieder nach Hause, komm“.

„Schade, dass wir ihm nicht helfen können, er braucht sicher jede helfende Pfote“ Die kleine Igelfrau dachte nach.

„Lass uns doch mal in die Hasenfabrik schauen, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir nicht doch etwas helfen können. Ich hab ein schlechtes Gewissen so in den Tag hinein zu leben und andere müssen sich abrackern. „

„Du bist eine gute Seele, genau so machen wir es.“ nickte ihre bessere Hälfte.

Die beiden wackelten durch das grüne, saftige Gras Richtung Hasenfabrik.

Auf dem Weg fanden sie einen prächtig blühenden Strauch mit Weidenkätzchen.

Sie wollten ein paar Zweige als kleines Naschmitbringsel für die fleißigen Häschen mitnehmen. Frau Igel legte sie auf die Stacheln von Herr Igel, dann konnten sie diese bequem transportieren und sie würden nicht runterfallen.

Die Hasenfabrik war ein kleiner vergessener Stall mitten im Wald. Das ganze Jahr stand die Hütte einsam und verlassen da, aber jetzt tobte kurz vor Ostern das pralle Arbeitsleben. Hühner aus umlegenden Höfen kamen zum Eierlegen, Hasen mit besonders ruhigen Pfoten hoben die Eier vorsichtig mit einem riesigen Schöpfer in einen großen Kessel mit kochendem Wasser. Dann kamen die Künstler mit viel bunter Farbe und bemalten die Eier für das Osternest.

Jeder hatte seine Aufgabe und ein älterer Hase gab die Anweisungen.
Als die beiden Igel durch die Tür marschierten hörten sie diesen schon pausenlos in die Menge rufen.
„Vorsicht, die Eier sachte ins Wasser legen, passt auf.“
„Hier noch mehr Farbe auf die Eier“

War das ein Gewimmel und Gewusel. Unser Igelpaar konnte sich gar nicht einkriegen vor lauter Erfurcht. Hier wurde gerade Ostern hergestellt.
Sie sahen aber auch die Freude und Erfurcht in den Gesichtern der vielen Fleißigen.
Das Osterfest war allen heilig, keine Frage.

Der Hase auf dem Podest sah die beiden zuerst. Das Igelpaar hatte die Stacheln vor lauter Begeisterung aufgestellt und ihre Spitzen ragten gefährlich in die Höhe.
Auch das noch, dachte der Aufpasser und sah auch schon ein kleinen ungeschickten Hasen der drei frisch gelegte Eier Richtung Wasserkessel trug und die Igel nicht sehen konnte.
„Vorsicht“ schrie er, aber es war schon zu spät.
Der Hase stolperte über Herrn Igel und ließ die Eier auf Frau Igels Stacheln fallen.
Die Eier blieben auf den Stacheln von der Igeldame stecken und unten floss frisches Eigelb heraus. Frau Igel rollte sich gleich wie eine Kugel zusammen.
Die ganze Ostermannschaft ließ ihre Arbeit liegen und im Stall war es plötzlich muckmäuschenstill.

„Um Himmels Willen, das tut uns wirklich leid, wir wollten euch doch helfen kommen“ jammerte der Igelmann und alle schauten entsetzt auf Frau Igel die sich langsam wieder auseinanderzog und mit ihren aufgespießten Eiern sehr seltsam aussah.
Unser Igelpaar war sehr zerknirscht. Kaum waren sie eingetroffen, verursachten sie schon das totale Chaos.
„Die Eier sind futsch, da ist nichts zu machen. Ihr zwei seid mit euren Stacheln keine Hilfe. Am besten ihr geht wieder. Danke für das Angebot“ sagte der Oberhase bestimmend und sein Blick war nicht gerade freundlich.

Ein kreativer Hase aus der Malertruppe hoppelte zu den Igeln. Er hatte eine Schiefermütze auf und in seinem Ledergürtel steckten viele Pinsel. Er war der Meister der Ostereierbemalung. Sein Kennerblick schweifte über die Komposition der Eier auf den Stacheln der Igelfrau.
„Mir kommt da eine Idee. Die Eier sind ausgelaufen aber wie es mir scheint noch heil. Wir könnten versuchen nicht nur hartgekochte Eier anzubieten, sondern die Eier vorsichtig aufzustechen, ausfließen lassen und dann bemalen. Da könnten uns die Spitzen der Stacheln durchaus nützlich sein“
Er sah auf die Weidenkätzchen die Herr Igel immer noch in seinen Stacheln stecken hatte.
„Die Eier könnten wir dann mit Bändchen auf die Weidenkätzchen hängen.
Ja durchaus, ein neuer Gedanke beginnt bei mir zu reifen.“ rief er entzückt.

 „Hört sich nicht schlecht an, wir könnten es versuchen, vielleicht sind die Stacheln dazu sogar von Nutzen. Vielleicht habt ihr beide gerade zu einem neuen Osterbrauch beigetragen“ Der Oberhase schaute schon wieder freundlicher auf unser Igelpaar, die eigentlich schon wieder nicht verstanden, um was es eigentlich ging.

„Wir beratschlagen die neue Idee. Besprechung in Kürze“ rief der Oberhase der Mannschaft zu und schon gingen er und der Malermeister in ihr Büro und steckten ihre Löffel zusammen.

Herr und Frau Igel wurden somit ein fester Bestandteil bei den Ostervorbereitungen, denn sie hatten zu einer revolutionären Idee beigetragen, das Osterfest noch schöner zu gestalten.

Welch schönes Missgeschick. Frohe Ostern

(c) Barbara Pronnet

*Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Barbara Pronnet - zu ihrer Internetseite

Antje Steffen
Das schönste Ei

Hansi Hase ist aufgeregt. Im Hasendorf laufen die Vorbereitungen für das Osterfest. Er war mit den anderen Hasenkindern bei den Hühnern gewesen, um die Eier abzuholen. Jetzt ist es Zeit, diese zu bemalen.

Hansi möchte, dass seine Eier besonders schön werden. Vor allem das Ei, das er für den Malwettbewerb bemalen will. Schon seit einiger Zeit übt er fleißig Malen und Zeichnen. Dafür hat er sich das dicke Buch aus der Bücherei geholt, in dem die schönsten Ostereier abgebildet sind.

Auch heute will Hansi wieder malen, denn der Wettbewerb steht vor der Tür. Gemeinsam mit Manni, dem Eichhörnchen, sitzt er am Tisch und blättert im Buch. Manni und Hansi sind die besten Freunde. Und, weil Manni so toll malen kann, darf er helfen, die Ostereier zu bemalen. Die Freunde sehen alle Bilder an.

Hansi entscheidet sich für ein Bild mit einer bunten Blumenwiese. Die ist gar nicht einfach zu malen, denn die Blumen sollen alle echt aussehen.

weiter lesen

Manni wiegt bedenklich den Kopf hin und her.

„Ich weiß nicht. Guck dir mal diese Blüte an. Das sieht echt schwer aus.“

Hansi betrachtet die Blume. Manni hat Recht. Leicht wird das nicht. Versuchen möchte er es auf jeden Fall.

„Wenn ich es nicht schaffe, such ich mir etwas anderes. Aber diese Blumen sind toll.“

Manni nickt.

„Stimmt! Schön sind sie. Ich glaube, ich male ein Eichhörnchen.“

Hansi grinst. Er weiß, dass sein Freund das hinbekommt. Er bewundert Manni, weil dieser so schön malen kann. Die zwei suchen sich ihre Farben aus, dann fangen sie an. Ganz konzentriert malt Hansi eine Blume nach der anderen. Immer wieder vergleicht er sein Bild mit dem Buch. Puh! Ist das schwer! Aber aufgeben will er auf keinen Fall.

Auch Manni ist ganz vertieft in sein Bild. Man kann schon erkennen, was es werden soll.

Nach einer Weile legt Manni den Pinsel beiseite. Zufrieden betrachtet er sein Werk. Dann schaut er, was Hansi gemalt hat.

Hansi ist fast fertig. Die schwerste Blume hat er sich für zuletzt aufgehoben. Vor lauter Konzentration flitzt seine Zunge zwischen den Lippen hin und her und seine Nase zuckt.

Endlich legt Hansi den Pinsel weg. Er sieht zu Manni. Was wird sein Freund sagen? Gefällt ihm die Blumenwiese?

Manni betrachtet Hansi Bild genau. Die Blumen sind wunderschön.

„Klasse! Du hast alle Blumen gemalt wie echt. Mit dem Ei gewinnst du bestimmt beim Wettbewerb.“

Hansis Ohren glühen vor Stolz.

„Meinst du wirklich?

Ob er mit seinem Ei den Wettbewerb gewinnen kann?

Manni nickt eifrig.

„Klar, dein Ei ist das Schönste.“

Hansi betrachtet sein Bild noch einmal genau. Es wäre schön, den Wettbewerb zu gewinnen. Dieser findet jedes Jahr statt und alle Hasenkinder beteiligen sich daran, sobald sie Eier bemalen dürfen.

Vorsichtig packen die zwei ihre Eier ein, um sie zum Dorfhaus zu bringen. Hier werden sie ausgestellt und am nächsten Tag bestimmt eine Jury den Gewinner.

Am nächsten Morgen macht er sich mit Manni auf den Weg zum Dorfhaus. Dort müssen sie eine Weile warten. Die Jury betrachtet alle Eier genau. Danach vergibt jeder seine Punkte. Am Ende wird ausgezählt und der Dorfälteste verkündet das Ergebnis.

„Meine lieben Freunde. Die Entscheidung ist sehr eindeutig ausgefallen. Ein Ei ist besonders schön. Es wurde bemalt von unserem Hansi. Herzlichen Glückwunsch, lieber Hansi, zu deiner Blumenwiese.“

Alle applaudieren. Hansi hat tatsächlich gewonnen. Er stößt einen Freudenschrei aus. Manni lacht und sagt: „Ich habe es ja gleich gewusst!“

Nachdem Hansi seinen Preis entgegengenommen hat, laufen die Jungs fröhlich los und gehen spielen.

© Antje Steffen

Erschienen in der Anthologie „Wie aus dem Ei gepellt, Band 4“, Papierfresserchens MTM-Verlag

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - Zur Autorenseite von Antje Steffen

Elke Bräunling
Hilfe für Pips, das Hasenkind

Zum ersten Mal durfte Pips, das Hasenkind, Ostereier bemalen.
„Hurra!“, rief er und sprang voller Freude auf. „Jetzt bin ich ein richtiger Osterhase.“
Da passierte es: Seine Farbtöpfe kippten um, und die Farben malten einen dicken, regenbogenbunten Streifen auf die Wiese. So ein Pech! Pips schämte sich.
„Ferkel!“, johlten seine älteren Geschwister. „Du bist eben doch noch viel zu klein zum Eierbemalen.“
Die Osterhasenmama aber schimpfte: „Was musst du auch immer so herumzappeln! Am Ende reicht uns die Farbe nicht für alle Eier!“
Pips erschrak. Würden seinetwegen nun viele Eier weiß bleiben? Oje! Da würden die Kinder aber traurig sein! Was tun?
„Ich werde neue Farbe holen“, versprach Pips. Er nahm zwei Farbtöpfe und machte sich auf den Weg über die Wiese. „Irgendwo“, murmelte er, „werde ich bestimmt Farbe finden.“

weiter lesen

Pips sah sich auf der Weise um. Bunt ging es überall zu: Bienen steckten ihre Köpfe in die roten, weißen, gelben und blauen Blütenköpfe, wie bunte Farbklekse flatterten Käfer und Schmetterlinge von einer Blüte zur anderen, und in den Sträuchern sangen Vögel ihr kunterbuntes Wiesenkonzert.
Pips aber konnte sich darüber nicht freuen. Alles war hier so bunt, nur Ostereierfarbe gab es nirgends.
Er suchte weiter und fragte jeden, den er traf: „Habt ihr zufällig etwas Ostereierfarbe übrig?“
Keines der Wiesentiere aber konnte ihm helfen.
Da setzte sich Pips ins Gras und weinte dicke Tränen. Ganz mutlos war er geworden.
„Sei nicht traurig, Hasenkind“, hörte er auf einmal eine Stimme silberhell singen: „Bunte Farben kannst du haben, ich geb dir ein paar von mir. Eines aber musst du machen! Versprich mir: Du musst wieder lachen!“
Wer sang da? Pips blickte zum Himmel und sah einen bunten Regenbogen, der genau über ihm stand.
“Hihi”, lachte Pips laut los. “Seit wann kann ein Regenbogen singen?”
Er lachte und lachte und… Aber was war das?
Der Regenbogen fing an zu weinen! Plop, plop, plop, tropfte eine Träne nach der anderen silberblau und goldgelb in Pips´ Farbtöpfe.
Ohhh! Pips staunte. Solch schöne Farben hatte er noch nie gesehen. Wie sie funkelten und glänzten! Und der Regenbogen weinte in einem fort weiter, bis die Farbtöpfe regenbogenbunt vollgeweint waren.
„D-d-danke“, stammelte Pips. „D-d-danke schön.“
„Ich danke dir“, säuselte die Regenbogenstimme. „Ich habe mich so sehr über deinen Regenbogenostereierfarbenstreifen auf der Wiese gefreut. Doch nun lauf los! Bald ist Ostern, und du hast noch eine Menge zu tun.“
„Stimmt“, rief Pips aufgeregt. „Tschüs und danke. Ja, und frohe Ostern, Regenbogen.“, rief er zum Himmel hinauf.
Dann hoppelte er so schnell er konnte mit seinen Töpfen voller toller Regenbogenostereierfarben nach Hause.

© Elke Bräunling

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Elke Bräunling - zur Internetseite der Autorin

Barbara Pronnet
Osterfreu(n)de im Outback

Pünktlich einen Tag vor dem Osterfest, erfuhr der Osterhase im Outback, dass Hasen mal wieder eine Plage waren in Australien. Ab sofort waren die Langohren in New South Wales zum Abschuss freigegeben. Schon wieder wir, dachte er pikiert. Waren Menschen schon mal ein Plage? Es gab schließlich auch mehr als genug. Pfui, solche Gedanken waren schlecht. Der Osterhase schüttelte traurig seinen Kopf und hüpfte zu seiner Höhle. Diese war unter einem großen ausgehöhlten Steinmassiv versteckt. Dort lagen die vielen Geschenke für die Kinder, die verteilt werden wollten. Er musste mehrere Farmen beschenken und die Anwesen lagen weit auseinander. Also ein gefährliches Vorhaben.

Wenn ein Farmer mal die Flinte zückte machte er vor keinem Hasen mehr halt, auch wenn der einen Korb auf dem Rücken trug. Der Osterhase hatte so seine jahrelange Erfahrung. Im weiten roten Land mit wenigen Versteckmöglichkeiten, lauerte so manche Gefahr. Es muss doch eine Möglichkeit geben, den Farmerkindern ihre Osterüberraschungen zu bringen, überlegte der Osterhase verzweifelt. Er stellte sich auf seine Hinterläufe und schaute über die verdorrte, karge Gegend. Nichts war zu sehen, nur ein paar gelangweilte Kängurus dösten unter der gnadenlosen Sonne. Plötzlich kam ihm die Idee. Es wäre die Rettung für ihn und die Kinder. Jetzt musste er nur noch feinfühlige Überzeugungsarbeit leisten. Vorsichtig hoppelte er zu den braunen Riesen. Mit denen war meistens nicht zu spaßen. Oft waren sie schlechtgelaunt und kämpferisch drauf. Und dann noch die Größe. Der Osterhase wusste, dass er nur eine Chance hatte sein Anliegen anzubringen und er musste es geschickt und überzeugend rüber bringen. Ein etwas kleineres, noch jüngeres Känguru bemerkte ihn als erstes und richtete sich sofort auf. Der Hase blieb mit etwas Abstand stehen:
„Hey du, ich muss mit dir reden. Ich sitze in der Patsche und nur du kannst mir helfen.“ rief er dem Hünen mutig zu.

„Was geht, kleiner Mümmler?“ der braune Riese sprang zu unserem kleinen Hasen und beugte sich zu ihm runter.
“Stets zu Diensten, Meister Lampe. Bin ganz Ohr“ grinste das Beuteltier frech.
Der Osterhase wusste, dass er jetzt keinen Fehler machen durfte. Ein Hieb vom dem Vieh würde ihm alle Knochen brechen.
„Ich bin der Osterhase und habe morgen eine riesen Sache zu erledigen. Ich muss Geschenke zu den Kindern auf die umliegenden Farmen ausliefern. Blöderweise ist gerade wieder ein Hasenplage und ich befürchte, dass ich dabei erschossen werde. Ich hab mir gedacht ob du mir eventuell helfen kannst? Ich könnte mich mit den Ostergaben in deinen Beutel verstecken und du bringst mich zu den Kindern. Du bist schnell und ihr seid zurzeit keine Plage. Es würde nicht lange dauern und alle Kinder in unserem Territorium würden dich lieben.“

weiter lesen

So, jetzt war es raus und als er geendet hatte, wurde unserem Hasen bewusst, wie dumm das ganze klingen muss. Eigentlich hatte er schon verloren. Wer glaubte ihm denn so eine Story?
„Yeah, cool, klingt abgefahren. Ich bin dabei“ bleckte das Känguru und drückte begeistert seine Vorderläufe.
„Wann soll‘s losgehen?“ Der Osterhase war platt. Sein Näschen mümmelte ganz aufgeregt vor Freude. Das war ja leichter als gedacht. „Bitte komme morgen ganz früh bevor die Sonne auf geht zu meinem Bau. Dann erkläre ich dir alles.“ Sie nickten sich zu und der Hase sprang zurück in sein Heim.

Erst als er wieder in seiner Höhle war kam ihm der Plan völlig absurd vor. Was war nur in ihn gefahren? Ein Känguru als Mithilfe. Ein junges noch dazu. Es war völlig unerfahren und hatte nur Dummheiten im Kopf. Ein Teenager. Der kam sicher morgen erst gar nicht und hatte bestimmt alles bereits vergessen. Alle jungen Hüpfer waren doch unsensibel und egoistisch. Er wusste das von seiner Sippe nur zu gut.

Unser Osterhase hatte keine gute Nacht. Er träumte unruhig von tot geschossenen Eiern und buntbemalten Hasen. Als er gerade im Traum von einem Dingo gejagt wurde, zupfte etwas an seinen Läufen.
Er schreckte hoch und vor ihm stand das Känguru. Frisch, ausgeruht und mehr als pünktlich.
„Guten Morgen, Meister, los geht’s. Sind das da hinten die Geschenke? Wo kommen denn die her?“ neugierig schaute es zu den Gaben, welche in dem Bau des Hasen in einer Ecke lagerten.
„Guten Morgen, du bist wirklich da. Ich bin überrascht. Die Gaben kommen von…oben.“ Das musste genügen, denn schließlich haben Osterhasen eine österliche Schweigepflicht. Der Hase selbst war noch völlig fertig von der unruhigen Nacht und das Auftauchen des Beuteltiers hatte ihn völlig aus der Bahn geworfen. Jetzt gab es aber kein Zurück mehr. Die Sache musste durchgezogen werden.
„Schön, pass auf. Ich lege die Geschenke jetzt in deinen Beutel. Dann komme ich mit hinein. Meinst du das geht? Wir versuchen es einfach, ok?“ Vorsichtig legte der Osterhase die Präsente in den großen warmen Fellsack des Riesen. Dann stieg er selber etwas umständlich hinein und wunderte sich wie groß und warm es darin war. Richtig gemütlich eigentlich.

„Es kann losgehen. Als erstes müssen wir zu der Doherty-Farm. Richtung Osten“. rief er aus dem Beutel. Das Känguru begann zu hüpfen. Erst langsam dann schneller. Ein richtiger Galopp. Dem Hasen wurde erst etwas schlecht, aber nach einiger Zeit war er gut im Rhythmus und er schaute aus dem Sack. Es machte fast ein bisschen Spaß. Als sie bei der ersten Farm ankamen hüpfte der braune Riese zu den angewiesenen Farnen nahe der Terrasse. Der Hase holte die ersten Päckchen heraus und versteckte sie unter das Blattwerk. Auf der Farm lebten zwei kleinen Mädchen Dann  ging‘s weiter Richtung Südwesten zur Conelly-Farm. Dort lebte ein kleiner Junge.

Genau dieser Junge, der kleine James, konnte auch nicht richtig schlafen. Er war schon so aufgeregt weil doch heute der Osterhase kam. Er kroch aus seinem Bett und schaute aus dem Fenster. Es war zwar noch früh am Morgen aber nicht mehr so dunkel. Plötzlich bemerkte er ein Känguru. Es hüpfte zu den Büschen unter dem Akazienbaum der im Garten stand. Dann sah er wie sich der Beutel des Tieres bewegte und was war das?
Ein Hase lehnte sich weit heraus und versteckte etwas zwischen den Büschen. Lautlos wie sie gekommen waren verschwanden sie auch wieder in Richtung Felder und Grassteppe.
„Mama, Papa“ schrie James begeistert. Er lief zu seinen Eltern ins Schlafzimmer und sprang auf das Bett. Diese erschraken erst weil sie dachten ihrem Sohn wäre etwas passiert. Aber als sie das glückliche Gesicht ihres Sohnes sahen mussten auch sie lachen. „Stellt euch vor, ich habe gerade ein Känguru im Garten gesehen. In seinem Beutel saß der Osterhase und er hat ein Geschenk für mich in einem Busch versteckt.“ schrie er freudig.
Die Eltern waren stolz auf die blühende Phantasie ihres Kindes und die Mama streichelte James über die Wange. „Wie nett, dann können wir ja mal schauen, was dir die beiden zu Ostern gebracht haben“. sagte sie neckend. James merkte sehr wohl, dass die beiden ihm nicht glaubten. Erwachsene wollen immer alles glauben, aber das was direkt vor ihren Nasen passiert, sehen sie nicht. Bin ich froh, dass ich noch ein Kind bin, dachte er erleichtert.

Unsere beiden Osterfreunde hatten mittlerweile alle Farmen beliefert und als die Sonne aufging und es immer heller wurde, waren sie wieder in die Hasenhöhle zurückgekehrt. Völlig fertig krochen sie beide in den Schatten unter dem Steinmassiv und mussten erst mal verschnaufen.
„Ich danke dir von ganzen Herzen, das hast du klasse gemacht. Ohne dich wären alle Kinder leer ausgegangen. Jetzt können sie alle Ostern feiern und weiter an den Osterhasen glauben. Eigentlich sollte ich dich fest engagieren. Es hat viel Spaß gemacht.“ lobte der Osterhase freudig.
„Yeah, ich fand‘s auch voll cool. Jetzt hab ich zu Hause auch was zu erzählen. Ist ja oft öde da und immer chillen bringt‘s auch nicht.“ grinste das Känguru.
Es war halt doch noch ein junger Teenie.
„Schau da liegt noch etwas für dich. Als Dankeschön von oben“ sagte der Hase und deutete zu der kleinen Kammer in der Höhle. Da lag doch noch ein kleines Geschenk für den fleißigen Helfer. Ein kleiner Korb mit herrlichen Früchten. „Echt, für mich? Wie krass ist das denn? Voll der Hammer“. freute sich das Känguru. Vorsichtig schüttete der Hase die Früchte in den Beutel des Freundes. Die beiden sahen sich an. Das war schon eine Aktion. Sie hatten es geschafft. Alles war gut gegangen. „Mach‘s gut Großer und wir sehen uns.“ Der Osterhase und das Känguru gaben sich einen Klatsch mit ihren Pfötchen. „Alle Jahre wieder, Kleiner.“ Ich bin dabei“. Dann hüpfte der braune Riese zurück zu seiner Familie.

Der Osterhase legte sich nochmal auf seine langen Ohren. Bevor er seine Augen schloss, stieß er noch ein Dankesgebet nach oben. „Danke, dass die Kinder heute Ostern feiern dürfen und danke für die geniale Idee“. Dann schlief er traumlos ein.

(c) Barbara Pronnet

*Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Barbara Pronnet - zur Autorenseite

Antje Steffen
Opa und die Osterglocken

Traurig blickte Carina aus dem Fenster. Bald war Ostern, doch in Carinas Zuhause war davon nichts zu merken. Carinas Mutter war traurig, weil ihr Vater im Krankenhaus war und niemand wusste, wie ihm geholfen werden konnte. Auch Carina war bedrückt. Sie hatte ihren Opa Emil sehr lieb. Immer war er lustig und spielte mit Carina. Nun lag Opa Emil im Krankenhaus und niemand wusste, wie lange er dort bleiben musste. Carina wünschte sich, dass der Opa schnell gesund werden würde. Nicht nur, weil das Osterfest sonst gar nicht schön wäre, sondern, damit sie bald wieder mit ihm spielen konnte. Solange Opa Emil krank war, machten Carina nicht mal die vielen Blumen in ihrem Garten Spaß.

Letztes Jahr war sie mit ihrem Opa in den Garten gegangen. Opa Emil hatte Carina alle Blumen gezeigt und ihr die Namen der verschiedenen Pflanzen gesagt. Außerdem konnte er schöne Geschichten erzählen. Zu allen Blumen kannte er eine. Carina hatte ihm entzückt gelauscht. Zu den Osterglocken kannte Opa natürlich auch eine Geschichte.

weiter lesen

Sie waren durch den Garten gegangen und als sie zu diesen gekommen waren, hatte Opa gesagt:

„Sieh mal, Carina. Sind die Osterglocken dieses Jahr nicht schön?“

Carina hatte genickt und geantwortet:

„Ja, Opa. Sie sind wunderschön. Ich mag sie sehr gern. Sie sehen aus wie kleine Glocken.“

Opa Emil hatte gelächelt.

„Ja, meine Kleine, du hast Recht. Und weißt du, warum das so ist?“

Carina hatte ihren Opa groß angesehen und den Kopf geschüttelt.

„Nein, das weiß ich nicht. Wieso sehen sie so aus?“

Opa hatte Carinas Hand genommen und war mit ihr zur Gartenbank gegangen.

„Nun, die Osterglocken sind besondere Blumen. Sie wurden von den Blumenelfen extra in Glockenform erschaffen und das kam so: Die Elfen wollten gerne eine neue Blume wachsen lassen. Sie sollte anders sein als alle anderen Blumen. Sie riefen eine Versammlung ein, um zu beraten, wie diese neue Pflanze aussehen sollte. Viele Elfen waren gekommen und machten ihre Vorschläge. Einige wollten eine Blume, die strahlend leuchtete und alle anderen in den Schatten stellte. Andere meinten, die Blume müsse groß und imposant sein, damit sie von weitem zu sehen wäre. Es ging hin und her. Immer lauter und hitziger diskutierten sie und bald entstand ein großes Durcheinander. Als es ganz laut war, läuteten im nahen Dorf die Kirchenglocken. Das war so schön, dass alle Elfen verstummten. Als der letzte Glockenton verklungen war, räusperte sich Eliza, eine kleine Elfe, die bisher geschwiegen hatte. Sie sagte: „Habt ihr gehört, wie schön die Glocken klingen? Wie wäre es, wenn unsere neue Blume wie eine Glocke aussehen würde? Außerdem könnte sie gelb leuchten wie die Sonne. Solch eine Blume wäre etwas Besonderes.“ Die anderen Elfen nickten und stimmten Eliza Vorschlag zu. Und so kam es dass die Elfen die Osterglocke schufen. Und noch heute ist diese Blume ein spezieller Frühlingsgruß.“

Carina hatte ihrem Opa gespannt gelauscht. Jetzt sprang sie auf und lief rüber zum Beet mit den Osterglocken. Sie betrachtete die kleinen Wunderwerke und freute sich daran, wie schön diese waren.

Dieses Jahr hatte Carina keine rechte Freude an den Osterglocken. Wenn doch Opa nach Hause kommen würde. Carina stand auf und ging in die Küche. Hier war Mama damit beschäftigt, einen Osterzopf zu backen. Als Carina den Raum betrat, lächelte ihre Mama.

„Hallo, mein Schatz. Möchtest du mir beim Backen helfen?“

Carina zögerte, dann antwortete sie.

„Ach nein, Mama. Ich habe keine Lust zum Backen. Ich wünsche mir, dass der Opa wieder zu uns kommt.

Mama sah ihr ins Gesicht.

„Das wünsche ich mir auch. Was hältst du davon, wenn wir nachher ins Krankenhaus fahren und Opa besuchen? Bestimmt freut er sich.“

Carina lächelte erfreut.

„Oh, dass wäre schön. Meinst du, er darf vom Osterzopf essen?“

„Ich denke schon“, antwortete Mama.

Sofort sprang Carina auf.

„Dann möchte ich helfen.“

Gemeinsam machten die beiden den Teig fertig und geschickt flocht Carinas Mutter den Osterzopf. Bald duftete es in der Küche herrlich nach Gebackenen.

Am Nachmittag machte Carina sich hübsch. Sie wusste, ihr Opa mochte ihr gelbes Kleid gern, da es die Farbe von Osterglocken hatte. Diese waren die Lieblingsblumen des alten Mannes. Carinas Mama machte den Osterzopf zurecht und packte ihn vorsichtig ein. Carina lief in den Garten, um einen Strauß Osterglocken zu holen. Bestimmt würden die Opa Emil helfen, schnell gesund zu werden. Als sie alles beisammen hatten, stiegen Carina und ihre Mama ins Auto und fuhren zum Krankenhaus. Dort angekommen machten sie sich auf den Weg zu Großvaters Zimmer. Carina wollte gerade anklopfen, als ein Arzt ihre Mutter ansprach.

„Guten Tag, Frau Schlegel. Schön, dass ich sie treffe. Ich wollte sie sowieso anrufen.“

Carinas Mama machte ein besorgtes Gesicht und fragte:

„Ist etwas mit meinem Vater?“

Ängstlich griff Carina nach der Hand ihrer Mutter. Sie blickte zum Doktor und wartete gespannt, was dieser sagte. Der Arzt merkte, dass das Mädchen Angst hatte und strich ihm beruhigend über das Haar.

„Es ist alles in Ordnung. Der Emil Huber ist dein Opa, richtig?“

Carina nickte.

„Ich habe gute Nachrichten für dich und deine Mama.“, sagte der Arzt. „Deinem Opa geht es viel besser. Wir haben endlich ein Mittel gefunden, um ihm zu helfen. Wenn er weiter gute Fortschritte macht, kann er zu Ostern nach Hause.“

Carina fiel ihrer Mama um den Hals. Opa ging es besser und er durfte bald nach Hause. Das war das schönste Ostergeschenk, das Carina sich denken konnte. Jetzt wollte sie schnell zu Opa Emil. Auch Carinas Mama freute sich über die Nachricht des Doktors. Freudestrahlend bedankte sie sich bei ihm. Er verabschiedete sich und endlich betraten Carina und ihre Mutter das Krankenzimmer. Opa Emil lag nicht, wie sonst, in seinem Bett. Er saß am Fenster und blickte hinaus in den Krankenhauspark. Als er seine Familie kommen hörte, drehte er sich um. Opa Emil sah viel besser aus, als an den letzten Tagen. Er war nicht mehr blass und seine Augen blickten wach in ihre Gesichter. Carina lief zu ihrem Opa und fiel dem alten Mann um den Hals. Dieser umarmte seine Enkelin und sagte:

„Ich freue mich, dass ihr hier seid. Rieche ich da etwa Osterzopf? Das wäre jetzt das Richtige für mich.“

Carina lächelte und erklärte:

„Den Osterzopf haben Mama und ich heute gebacken. Und sieh, ich habe dir ein paar Osterglocken mitgebracht.“

Opa Emil nahm die Blumen und lächelte. Er zwinkerte Carina zu und meinte:

„Die Blumen sind wunderschön. Ich denke, die Blumenelfen haben ihre guten Wünsche für mich hineingetan und deshalb geht es mir besser.“

Carina blickte ihrem Großvater ernst ins Gesicht.

„Das haben sie bestimmt. Ich habe ihnen erzählt, dass du krank bist und nicht zu ihnen in den Garten kommen kannst. Wahrscheinlich haben sie dich genauso vermisst wie ich. Deshalb haben sie geholfen, damit du gesund wirst und Ostern mit uns allen feiern kannst.“

„Ja, Carina“, sagte Opa Emil, „so wird es gewesen sein. Ich bin dir und den Elfen sehr dankbar. Bald kann ich mich persönlich bei ihnen bedanken.“

Die drei verbrachten einen vergnüglichen Nachmittag. In ein paar Tagen sollte Opa Emil entlassen werden. Danach konnten Carina und er nach Herzenslust im Garten sein. Ostern würde doch schön werden. Carina beschloss, den Blumenelfen dadurch zu danken, dass sie sich gut um ihr kleines Blumenbeet kümmern würde.

© Antje Steffen

Erschienen in der Anthologie „Wie aus dem Ei gepellt, Band 2“, Papierfresserchens MTM-Verlag

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - Zur Autorenseite von Antje Steffen

Elke Bräunling
Das Osterei auf der Fensterbank

„Nanu? Was glitzert so rotgolden in der Morgensonne? Hat da jemand ein Schmuckstück vor das Fenster gelegt?“
Oma Weber blinzelte. Ihre Augen waren noch müde, denn sie hatte bis tief in die Nacht den neuen, spannenden Fantasyroman zu Ende gelesen. Sie beugte sich aus dem Schlafzimmerfenster und blickte zum Küchenfenster hinunter. Ein kleines rotes Ding lag dort auf der Fensterbank.
Oma Weber lächelte und malte sich aus, wie in der Nacht eine Fee auf dem Fensterbrett Rast gemacht und eine rote Perle aus ihrem Gewand verloren hatte. Ein schöner Gedanke. Oma Weber, die schöne Gedanken liebte, schmunzelte. Vielleicht, überlegte sie weiter, war es aber auch eine kleine, traurige Frühlingselfe gewesen. Vergebens hatte sie nach der duftenden Wunderblume gesucht, die mit ihren Frühlingsglöckchen die Marienkäfer aus dem Winterschlaf aufweckte. Weil sie sie aber nicht finden konnte, hatte sie rote Tränen geweint und eine ist aufs Fensterbrett getropft.

weiter lesen

„Oh!“, sagte Oma Weber. „Ich denke, ich sollte der kleinen Elfe bei der Suche nach der Wunderblume mit den Glöckchen helfen. Gleich nachher werde ich in den Gartenmarkt fahren und Blumen für die Fensterbänke kaufen. Blumen, deren Blüten Glöckchen ähneln.“ Sie lächelte, liebte sie Blumen doch fast so sehr wie Bücher, Märchen und Marienkäfer. Und sie freute sich auch auf den Gartenmarkt. Ihren Fotoapparat würde sie mitnehmen und Blumen würde sie fotografieren.
„Was für ein guter Plan!“, sagte sie. „Ich glaube, dieser Tag wird ein guter Tag.“
Zuerst aber wollte sie sich die Elfenträne doch noch genauer ansehen. So einen kostbaren Fund machte man schließlich nicht jeden Tag. Sie eilte in die Küche, öffnete das Fenster und fand keine Elfenträne, sondern ein Schokoladenosterei, verpackt in rotes Glanzpapier.
Oma Weber lachte hell auf.
„Ein Osterei!“, rief sie. „Wer hat das wohl hier verloren? Ein eiliger Osterhase, der mich daran erinnern möchte, dass bald Ostern ist? Ja, genau so wird es gewesen sein.“
Verwundert schüttelte sie den Kopf. Hätte sie doch beinahe glatt die Ostereier für die Kinder vergessen. Wie gut, dass da immer und überall kleine Helfer waren, die sie an solch wichtige Dinge erinnerten.
„Danke, Osterhase!“, rief sie in den Garten hinaus.
Dann nahm sie einen Einkaufszettel und schrieb auf:
„Wunderblumen mit Glöckchen für die Elfen und Marienkäfer. (In Klammer: Ob Osterglocken die richtigen Blumen sind?), Ostereier für die Kinder, einen großen, goldenen Schokoladenosterhasen für Opa Weber und …“ Sie machte eine Pause, überlegte, lächelte. „Und ein neues dickes Buch für mich.“

© Elke Bräunling

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin Elke Bräunling - zur Internetseite der Autorin

Antje Steffen
Das Osterfeuer

Wie in jedem Jahr sollte auch diesmal am Ostersamstag ein Osterfeuer im Ort stattfinden. Die Freiwillige Feuerwehr lud alle Dorfbewohner ein. Bauer Schmitt stellte dazu seinen Hof zur Verfügung. Er war selbst Mitglied der Feuerwehr und freute sich jedes Jahr auf dieses Ereignis. Es gab Platz, den Holzhaufen aufzuschichten und ein großes Dach. Dieses diente normalerweise dazu, um die verschiedenen Ernteanhänger unterzustellen. Für das Osterfeuer waren diese auf die gegenüberliegende Wiese gebracht worden, diese diente gleichzeitig als Parkplatz für die Besucher. Unter das Dach kamen Tische und Bänke für die Gäste. Wenn man in den Wochen vor Ostern am Hof von Schmitt vorbeikam, sah man den Haufen aus Ästen, Zweigen und ähnlichem stetig wachsen. Es war ein ziemlich großer Stapel und er sollte bis zum Ostersamstag noch anwachsen. Die Leute, die am Hof vorbeikamen, blieben oft stehen und riefen dem Bauern zu:

„Hey, das sieht toll aus. Gibt bestimmt ein schönes Feuer und wir können lange feiern.“

„Ja, dieses Jahr ist ein gutes Jahr. Nur die Trockenheit macht mir ein bisschen Kopfzerbrechen.“

Das war wirklich ein Problem, denn in den letzten Wochen gab es so gut wie keinen Regen und im ganzen Land herrschte völlige Trockenheit. Die Behörden warnten vor Waldbrandgefahr. Solche Warnungen betrafen natürlich auch das Osterfeuer. Aber die Stimmung wollte sich trotzdem keiner verderben lassen. In der Woche vor Ostern fuhr Bauer Schmitt mit seinem Trecker und Hänger durch den Ort und sammelte die letzten Spenden für das Feuer ein. Einige Dorfbewohner brachten ihre Holzschnitte selbst zum Hof und so wuchs der Holzhaufen noch einmal beträchtlich an. Am Ostersamstag war Schluss. Jetzt sollte nichts mehr dazukommen. Der Feuerhaufen war wirklich groß und es war gut, dass auf dem Hof so viel Platz war.

weiter lesen

Schließlich musste ein Sicherheitsabstand vorhanden sein. Direkt am Feuer würde es sehr heiß werden. Am Vormittag trafen sich die Männer der Feuerwehr bei Bauer Schmitt, um alles für den Abend aufzubauen. Die Tische und Bänke aus dem Lager wurden herangeschafft und unter dem Dach aufgebaut. Zwar meinte der Wettergott es gut mit den Veranstaltern und es würde auch heute keinen Regen geben, trotzdem war der Platz unter dem Dach immer sehr beliebt. Hier war es windgeschützt und gerade die älteren Mitbürger setzten sich gern an die Tische, um zu klönen und den neuesten Dorfklatsch auszutauschen. Der Getränkestand fand seinen Platz ebenfalls unter dem Dach. An ihm würde nachher bestimmt reges Treiben herrschen. So ein Feuer mit seiner Hitze machte immer durstig. Auf der anderen Seite wurde eine mobile Suppenküche aufgebaut. Es standen zwei Suppen zur Auswahl: eine Gemüsesuppe und eine Kartoffelsuppe. Direkt vor dem Dach wurde der Grill aufgebaut. Immer wieder tönten die Stimmen der Männer über den Hof.

„Hey Mike, hol bitte mal das Absperrband. Wir wollen nicht, dass die Leute sich verletzen.“

„Wird gemacht! Brauchst du sonst noch was?“

„Nein, im Moment nicht.“

An anderer Stelle wurden ein paar Stehtische aufgebaut.

„Stell die Tische weiter weg. Wir wollen niemanden rösten. Da vorn wird es viel zu heiß, wenn das Feuer erstmal in Gang ist.“

So ging es munter weiter und bald war alles aufgebaut und die Männer konnten nach Hause fahren, um zu essen und sich ein bisschen auszuruhen. Um siebzehn Uhr würden sie sich wieder hier treffen, um die letzten Vorbereitungen anzugehen und das Feuer zu entzünden. Alle freuten sich auf den Abend. Er war schließlich ein Höhepunkt in dem sonst so ruhigen Dorf. Doch mit der Ruhe sollte es nichts werden. Gegen fünfzehn Uhr heulte die Dorfsirene und die Pieper der Feuerwehrleute sprangen an. Ungläubig betrachteten die Männer die Meldung. Es brannte in der nahegelegenen, ehemaligen Kiesgrube. Vor Jahren war diese geflutet worden und hatte sich zu einem  beliebten Badetreff entwickelt. Fluchend machten sich die Feuerwehrmänner auf den Weg zur Wache. Schnell waren sie da und fuhren zum Einsatzort. Vor Ort gab es Entwarnung. Das Feuer entpuppte sich als Verbrennung von Gartenabfällen, die von einem ortsansässigen Gärtner durchgeführt wurde. Der Gute hatte nur vergessen, dass er so ein Feuer anmelden musste und dadurch den Alarm ausgelöst. Die Männer von der Feuerwehr machten sich kopfschüttelnd auf den Rückweg. Allerdings nicht, ohne vorher noch ein paar Worte zu dem Geschehen loszulassen.

„Das wird teuer.“

„Kann doch nicht einfach jeder machen, was er will.“

„Schon davon gehört, dass Feuer bei dieser Trockenheit gefährlich ist?“

Der Wehrführer sagte:

„Ich will hoffen, dass Sie das nächste Mal daran denken, ihre Brandabsichten anzumelden. Was glauben Sie, wofür das gut ist? Wir sind schließlich nicht dazu da, um unnötig in der Gegend rumzufahren.“

Der Übeltäter machte sich ganz klein und verzog das Gesicht.

„Tut mir wirklich leid. Ich dachte nicht, dass es so viel Qualm geben würde. Waren nur ein paar Abfälle. Die Sache ist doch ganz harmlos.“

„Nichts da harmlos. Das ist ein Verstoß gegen sämtliche Vorschriften und wird Konsequenzen haben.“

Der Wehrführer war wirklich sauer. Wenn jemand seinen Müll verbrennen wollte, sollte er das wenigstens melden, damit er und sein Männer Bescheid wussten. Jeder Einsatz war schließlich mit Kosten verbunden. Außerdem war heute Osterfeuer und es gab ohnehin genug zu tun. Die Männer fuhren zurück zur Wache. Dort angekommen, räumten sie auf und machten sich auf den Weg zum Hof von Bauer Schmitt. Dort waren schon ein paar Kameraden dabei, alles weitere vorzubereiten. Die großen Suppentöpfe standen bereits auf den Herdplatten. Schließlich sollte alles fertig sein, wenn um 18.00 Uhr die ersten Dorfbewohner kamen. Die Feuerwehrmänner schimpften noch eine Weile über diesen „dummen“ Gärtner, aber dann siegten die gute Laune und die Vorfreude auf ein schönes Feuer. Bald war es soweit, dass der Holzstapel angesteckt werden sollte. Die Männer achteten normalerweise darauf, dass das Feuer an der Seite angezündet wurde, die dem Wind abgewandt war. Aus irgendeinem Grund, ob nun durch die Aufregung um den Einsatz oder etwas anderes, klappte es diesmal nicht. Sie steckten das Feuer so an, dass der Wind direkt hinein blies. Dadurch fraßen sich die Flammen rasend schnell in den Stapel. In der Nähe des Feuers waren zwei Brandwachen postiert, die aufpassen sollten, damit niemand zu nah an das Feuer heranging. Auch die Kinder mussten beaufsichtigt werden. Gerade die Kleinen liefen oft achtlos in Richtung Feuer. Außerdem gehörte es zu ihren Aufgaben, das Feuer im Auge zu behalten. Die Feuerstelle lag zwar auf sandigem Boden und war relativ frei, doch im Anschluss an die Rückseite begann eine Grasfläche und dahinter war der Zaun zur Ponyweide. Die Ponys waren im Stall, um sie durch das Feuer nicht in Panik zu versetzen. Das Gras war jedoch sehr trocken. Bald kamen die ersten Dorfbewohner, um sich am Feuer zu erfreuen und einen gemütlichen Abend mit Freunden und Nachbarn zu verbringen. Die Feuerwehrleute wurden immer unruhiger. Der Wind war kräftig und fachte das Feuer stark an. Bald brannte der ganze Haufen lichterloh und bei genauem Hinsehen entdeckte man erste Feuerzungen, die sich in Richtung Grasfläche fraßen. Die Männer hinterm Grill blickten immer wieder zu ihren Kameraden und zum Feuer. Dieses Jahr lief wohl gar nichts rund. Die Flammen loderten wild und es wurde immer heißer. Wenn das Feuer die Wiese erreichte, dauerte es nicht mehr lange dann hätte es sich zum Wohnhaus vorgearbeitet. Bauer Schmitt blickte besorgt zu den Flammen. Ein Hausbrand am Tag des Osterfeuers fehlte gerade noch. Erinnerungen an einen früheren Brand kamen in ihm hoch. Sein Elternhaus war bereits einmal abgebrannt und die Gedanken daran drängen sich jetzt förmlich auf. Soweit durfte es nicht kommen. Sie würden das Feuer gut im Auge behalten müssen. Bald lief ein Mann los und holte das Löschfahrzeug. Als ein weiterer Kamerad loslaufen wollte, der zum Grillen eingeteilt war, ertönte eine Stimme:

„Halt Micha, du bleibst hier! Wir zwei passen auf den Grill auf. Die Leute wollen Wurst und keine Grillkohle!“

Michael zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder seiner Aufgabe zu. Fred hatte Recht, die anderen würden die Situation bestimmt bald im Griff haben. Das Auto wurde in Position gebracht und die Männer rollten den Schlauch aus. Einer der Helfer wollte zum Schlauch greifen und die Grasfläche löschen. Er merkte aber gleich, dass das keine gute Idee war. Harald trug zwar seine Schutzhose, war ansonsten aber nur mit einem T-Shirt bekleidet. Einer der Brandposten übernahm das Löschen. Dieser hatte die Lage zu Glück schnell unter Kontrolle und schon bald deutete nichts mehr darauf hin, was gerade passiert war. Die Dorfbewohner unter dem Dach bekamen von der ganzen Aufregung nichts mit. Sie saßen gemütlich beisammen, aßen die ersten Würste und tranken ihr Bier. Dabei unterhielten sie sich über den neuesten Dorfklatsch. Keiner warf auch nur einen Blick auf das hektische Treiben der Feuerwehrleute. Nach kurzer Zeit verstauten die Männer den Schlauch wieder und das Auto kam zurück auf den Parkplatz. Die Feier konnte weitergehen. Der Holzstapel war inzwischen schon ziemlich zusammengeschrumpft und die Gefahr eines weiteren Feuerausbruchs dadurch sehr gering. Die Dorfbewohner, die erst gegen neunzehn Uhr zum Feuer kamen, waren sehr verwundert. Sie fragten sich, warum das Osterfeuer in diesem Jahr so klein war. Doch auch wenn sich die Flammen nicht mehr lichterloh in den Himmel streckten, wurde es ein langer Abend. Die Kinder nutzten es aus, dass das Feuer soweit heruntergebrannt war. Sie holten sie Brotscheiben vom Grillstand, steckten diese auf Stöcke und rösteten sie über der Glut. Die Stimmung war sehr gut und als die Kälte kam, rückten alle näher an das Feuer heran, um die Wärme zu genießen. Noch bis in die Nacht hinein lachten und klönten alle und waren sich einig, dass dieses Osterfeuer etwas ganz besonders war.

© Antje Steffen

Erschienen in der Anthologie „Aufgeblüht – 30 Geschichten und Gedichte“, Freuntsch Media.

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - Zur Autorenseite von Antje Steffen

Bitte beachten:

Das Copyright der Texte liegt bei den jeweiligen Autoren.

Näheres unter Nutzungsbedingungen!