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Autoren der Gegenwart - Zeitgenössische Gedichte

Zeitgenössische Dichter präsentieren ihre Werke im Garten der Lyrik - Teil 3

Dahlie
Alexas_Fotos / pixabay.com

Mein Dank gilt allen mitwirkenden Autoren die mir ihre Gedichte

zur Veröffentlichung auf dieser Seite zur Verfügung gestellt haben.


Autoren der Gegenwart von L - Z

Björn Lindt, Gerhard W. Meibers, Christiane Mielck, Rudi Müller, 

Mona Mulke, Lisa Nicolis, Nilhexe, Vera Oelmann, Ewald Patz, Stefan Pölt, 

Uschi Pohl, Jürgen Rehm, Holger Schleip, Christina Telker, Bernd Thier, 

Paul Rudolf Uhl, Faro V., Edeltrud Wisser, Chandrika Wolkenstein, Inge Wrobel, 

Ursula Zeller, Traudel Zölffel

Gedichte oben genannter Autoren

Abendstimmung
von Ursula Zeller

ausgeliefert
von Gerhard W. Meibers

Bäume
von Bernd Thier

Das Fünkchen Hoffnung
von Lisa Nicolis

Das offene Fenster
von Lisa Nicolis

das sammeln
von Uschi Pohl

Der Nebel heut
von Lisa Nicolis

Die alte Rose
von Inge Wrobel

Die Begleiter
von Bernd Thier

Die Möwe
von Nilhexe

Die Paartherapie
von Rudi Müller

Ein neuer Tag
von Nilhexe

Ein schönes Zeichen
von Edeltrud Wisser

Es kriecht der Abend ...
von Traudel Zölffel

Evolution
von Vera Oelmann

 

Flächendeckend
von Holger Schleip

Florale Hypochondrie
von Björn Lindt

Friedensaufruf
von Christina Telker

Geheimnis des Lebens
von Holger Schleip

Großstadtmoment
von Lisa Nicolis

Harzer Quelle
von Jürgen Rehm

Hoffnungslose Kinderaugen
von Ewald Patz

Junges Leben
von Faro V.

Kemenate
von Christiane Mielck

Kleine Dinge ...
von Ewald Patz

Lernstolpern
von Chandrika Wolkenstein

Manchmal
von Mona Mulke

Meltemi IV
von Rudi Müller

Natur - Religion
von Paul Rudolf Uhl

 

Promipärchen II
von Stefan Pölt

Quelle
von Lisa Nicolis

Resignation
von Vera Oelmann

Rückblick
von Jürgen Rehm

Sand - uhr
von Lisa Nicolis

Seelen-Zeit
von Ursula Zeller

Selbsterkenntnis ist ...
von Paul Rudolf Uhl

so lang solange
von Inge Wrobel

Stille Wärme
von Chandrika Wolkenstein

Strahlen weben ...
von Uschi Pohl

Verfolgungsjagd
von Stefan Pölt

Vorwärts
von Edeltrud Wisser

Wenn die Zeit d. Atem ...
von Chandrika Wolkenstein

Wenn Kinder lachen
von Chandrika Wolkenstein

Worte
von Lisa Nicolis

Zeit für mich
von Mona Mulke

Bitte beachten:
Das Copyright der Texte liegt bei den jeweiligen Autoren!


Chandrika Wolkenstein
Wenn Kinder lachen

Wenn Kinder lachen, beißt der Tag
in einen grünen Morgen.
Was eben noch im Dunklen lag,
verlernt kurz alle Sorgen.

Ihr Lachen macht die Fenster weit,
die Luft kriegt Sommersprossen.
Ein alter Tisch vergisst die Zeit
und tanzt ganz unverdrossen.

Die Zimmer sind zum Spaß bereit
und öffnen die Verstecke.
Der Ernst zieht aus das steife Kleid
und kriecht aus seiner Ecke.

Dann geht ein Leuchten durch den Raum.
Die Türen haben keine Schlüssel.
Und plötzlich lacht- man glaubt es kaum-
sogar die Suppenschüssel.

Chandrika Wolkenstein
Stille Wärme

Die Jahre lagen wie fremde Städte
in meinen Taschen, schwer und kalt.
Wie Fahrkarten sammelte ich Namen
und fand zu keinem Zeitpunkt Halt.

Die Stimmen, die mich einst umgaben,
sind längst verhallt im leeren Wind.
Nur manche Blicke, manche Nächte,
an die erinnere ich mich blind.

Ich kam zurück mit kleinen Narben.
Die Fremde war kein sanfter Ort.
Ich lernte leben, ohne Wurzeln.
Ich war nur Durchreisende dort.

Doch dann zuhause: stille Wärme.
Die Zeit fällt ab wie schweres Tuch.
Hier hängt kein Schatten mehr von Ferne.
Hier bin ich mehr als nur Besuch.

Lisa Nicolis
Der Nebel heut

Ich wünsche mir, dass er sich niemals lichtet
und immer alles um sich selbst verbirgt,
dass keine Seele mehr die andre sichtet
und Sehnsucht nach der anderen erwirkt.

Solang er dicht und leicht das Sein umnebelt
und es umhüllt mit mattem Schleiertand,
mit Zauber jeden Blick veredelt,
hat Friede wohl 'ne Weile hier Bestand.

Den Bäumen steht es gut, wie Glas zu wirken,
so unwahrscheinlich ist mein Garten heut.
Doch hinter all den transparenten Birken
tummelt sich weltweit weiter Hass und Streit.

Es wäre gut, wir könnten mal nichts sehen,
ein seichter Nebel hüllt' uns alle ein,
um Zeit zu haben, auch in sich zu gehen,
um wertzuschätzen jedes ErdenSein.

Lisa Nicolis
Worte

Dein Sommer war in jedem Wort verborgen,
du hülltest mich in bunte Silbenblüten,
es gab ein jetzt, kein gestern und kein morgen,
von deinem Wortwall ließ ich mich umhüten.

In Wörternächten gab es Silbenrieseln,
ein Rosarotes schon im Morgengrauen,
es war so schön im warmen Wörternieseln
in meinem blumenbunten Wortvertrauen.

Nun ist es Herbst. Schon treiben müde Silben
im Fluss der Zeit wie überwelkes Hoffen,
in deinen Worten liegt schon ein Vergilben,
der Wall nach allen Seiten- sprachlos offen.

Verstreu im Winde deine hohlen Worte
vielleicht bleibt eins im spinnverwebten Laube
vergessnen Sommers hängen, wie umflorte
Erinnerung mit süßer Silbentraube.

Björn Lindt
Florale Hypochondrie

Schmerzt sie noch ihr Löwenzahn,
der schon seit der Herbstzeit lose?
Sprießt auf ihrem Fuß der Hahn?
Leiden sie an Gürtelrose?

Ist ihr Daumen immer grün?
Blähn sie wie ein Buschwind, Röschen?
Ihnen will oft Unheil blühn?
Sind sie schüchtern wie'n Mimöschen?

Wächst in ihren Lungen Kraut?
Reifen schon die Fingerbeeren?
Ist's ein Veilchen, das da blaut?
Will sich Schuppenflechte mehren?

Finden ihre Augen Trost,
wenn sie lang ins Wasser linsen?
Ist die Leber gar vermoost?
Sprechen sie gern Wahrheitsbinsen?

Haben sie oft Fieberklee,
oder etwa Nesselfieber?
Tun die Frauenschuhe weh?
Treu sind Männer ihnen lieber?

Neigen sie zu Bärenklau?
Sind sie gar ein Lippenblütler?
Schwitzen sie denn Sonnentau,
oder sind sie Sonnenhütler?

Wächst bei ihnen Frauenhaar?
Wolfsmilch strömt aus ihren Zitzen?
Röschen, sie sind höchst agrar,
selbst noch in den Berberitzen!

Hier mein Rat als Spezialist:
Gönnen sie sich mal ein Päuschen!
Helfen kann ein Deflorist.
Klarer Fall von: "Was am Sträußchen"!

Christina Telker
Friedensaufruf

Habt ihr es denn schon vergessen,
wie der Vater fiel im Feld?
„Niemals mehr in diesem Leben!“
dieser Schwur ging um die Welt.

Kriege in entfernten Ländern,
wie leicht seh´n wir drüber hin.
„Nur im Frieden wolln wir leben“
so stand uns einmal der Sinn.

Doch es brodelt in der Ferne,
näher kommt es mit Gebraus!
„Leute greift schnell zu den Waffen!
Kommt, beschützet euer Haus!“

War es das was ihr einst wolltet,
als ihr riefet: „Nie mehr Krieg!“
Gebt euch brüderlich die Hände,
denn nur so der Friede siegt!

Lasst euch nicht vom „Freund“ missbrauchen,
wenn er noch so tobt und brüllt.
„Wir wolln Frieden!“ sagt es weiter,
bis dies Wort die Welt umhüllt.

Auch beim Nachbarn spielen Kinder,
wie die deinen, denk daran!
Darum hilf die Welt zu schützen,
dass es Friede bleiben kann.

Landschaft mit Hütten im Nebel - Herbststimmung
Foto: Gellinger / pixabay.com

Ursula Zeller
Seelenzeit

Klangschalen-Klänge wie Engels-Gesänge.
Sie tönen und schwingen -
in der Stille sie klingen.
Sanft träumend wir lauschen -
die Klänge sie rauschen,
mal hell und mal dunkel
wie Sternengefunkel.
Wir können Gott spüren -
Er öffnet uns Türen...
Auf all unsern Wegen -
Sein klangvoller Segen.

Ursula Zeller
Abendstimmung

Abend ist schon und bald Nacht,
ein jeder ruhet sich jetzt aus.
Das Tagewerk, es ist vollbracht,
die Lichter gehen langsam aus.

Die Stille klingt ganz silbern fein
und Träume legen sich ums Herz.
So mancher fühlt sich jetzt allein -
der Trost der Nacht heilt manchen Schmerz.

Rudi Müller
Meltemi IV

Die Sonne ist leider schon untergegangen,
doch schenkt sie uns noch einen Teil ihres Lichts.
Der Mond schickt sich an, uns dies Licht einzufangen,
als hauchdünne Sichel entwächst er dem Nichts.

So zart er auch wirkt, er beginnt bald zu gleißen
und spiegelt sich geisterhaft glitzernd im Meer.
Ein magischer Anblick. Er geht mit dem leisen
und mystischen Raunen des Meeres einher.

Wie sanft nun die Wellen am Ufer zerfließen,
mit Einbruch der Nacht war der Wind abgeflaut.
Der Meltemi schickt nur noch samtweiche Brisen,
sie streicheln die Wellen und streicheln die Haut.

Der Zauber der Nacht nimmt uns schleichend gefangen,
erregt alle Sinne und nährt Phantasien,
erweckt in uns irrationales Verlangen
und lässt uns ins Reich unsrer Träume entflieh’n.




Rudi Müller
Die Paartherapie

Im Freundeskreis - so sagt’s ein jeder -
sind sie das ideale Paar.
Kein Streit, kein Krach und kein Gezeter,
sie harmonieren wunderbar.

Man teilt sich Rechte wie auch Pflichten,
vom Küchendienst bis hin ins Bett.
Doch ohne Planung gäb’s mitnichten
ein derart glänzendes Duett.

Trotzdem sind sie nicht ganz zufrieden:
Vielleicht könnt’s noch perfekter sein?
So haben sie sich jüngst entschieden:
Sie geh’n zum Therapeut zu zwei’n.

Es schadet ja nicht, vorzubeugen!
Wie oft hat man bereits gehört,
dass Nichtigkeiten Wirkung zeigen,
wenn man sie nicht beizeiten klärt.

Der Therapeut hieß sie willkommen
und quetschte gleich die beiden aus.
Sie haben’s dankbar angenommen
und öffneten sich freiheraus.

Der Doktor spitzte seine Ohren,
misstraute aber alledem.
Denn trotz beharrlich-sturem Bohren
fand er kein einziges Problem!

Ja, kann’s denn sein, dass die nie streiten?
Dies wär’ für ihn nicht förderlich.
Er forschte nach Befindlichkeiten,
und siehe da: Es lohnte sich!

So trübt Geschnarche beispielsweise
der Dame ihren Schönheitsschlaf.
Und sie? Schon seit der Hochzeitsreise
dünkt sie dem Herrn im Bett zu brav.

„Und Du“, fing sie gleich an zu fauchen,
„verkehrst meist nur als Missionar!
Die Frauen wünschen sich und brauchen
ein etwas breitres Repertoire.“

„Wie soll ich’s denn auch anders machen,
wenn Du mal wieder müde bist?“
Als Antwort schallte lautes Lachen:
„Dies zeigt, wie rücksichtslos er ist!

Vorm Frühstück halb im Schlaf genommen,
hab ich’s zwar meist noch akzeptiert.
Jedoch, zu spät zum Dienst gekommen,
war ich hernach zu Recht frustriert.“

„Da warst Du längst schon überfällig
nach unserem Drei-Monats-Plan!
Ich spürte ja schon unterschwellig,
Dich törnt so gut wie nichts mehr an.“

„Für etwas mehr Gefühlsanwandlung
gebricht’s an Deinem Pflichtumfang:
Kein Vorspiel! Keine Nachbehandlung!
So darbe ich schon jahrelang.“

~ ~ ~

Die Sitzung endet im Desaster.
Dem Seelenschmied ist dies egal,
er kriegt ja schließlich seinen Zaster!
Und was ist heute schon normal?

Christiane Mielck
Kemenate

Träume verstauben
in strukturierten Realitätsregalen
neben in Buchseiten gepreßten Illusionsblüten
in einer tristen Kemenate
der Gedankenvergangenheit,
die zu öffnen
der Verstand verbietet
und die Seele sehnt.

Gerhard-W-Meibers
ausgeliefert

wohin
fliegen die Träume
wenn die Tage
ihr Gleichmaß pflegen
die Nächte unklar werden
wohin treibt sie
der Wind
dem ich
ausgeliefert bin

Mohnblumenfeld
Foto: Molisandor / pixabay

Ewald Patz
Hoffnungslose Kinderaugen

Hoffnungslose Kinderaugen
Sind den Herschern ganz egal,
Denn sie lassen weiter bomben-
Rücksichtslos-pervers-brutal.

Kriege flackern auf der Erde
An so vielen Orten auf;
Machtbesess'ne Volksverführer
Nehmen Leid und Tod in Kauf.

Städte legen Sie in Trümmer-
Menschenleben gilt nicht viel;
Fließt auch Blut in rauen Mengen-
Machterhaltung ist das Ziel.

Hoffnungslose Kinderaugen
Möchte ich nie wieder seh'n,
Schmiedet Schwerter zu Pflugscharen
Und die Welt wär' wunderschön.

-

-

Ewald Patz
Kleine Dinge - große Schönheit

Ach wie viele Wassertropfen
Funkeln rot und gelb und blau-
Sehen aus wie Edelsteine,
Doch es ist der Morgentau.

In der Sonne- dieses Leuchten-
Diese Farben- diese Pracht;
Das hat nicht der größte Künstler,
Das hat die Natur gemacht.

Nur der Feingeist oder Dichter
Hat den Blick dafür bewahrt-
Freut sich an so kleinen Dingen,
Ist das Leben noch so hart.

Viele Menschen geh'n vorüber-
Haben damit nichts im Sinn-
Treten blindlings alles nieder
Und der Zauber ist dahin.

Stefan Pölt
Promipärchen II

"Die Schriftrollen warn in der Tiefe
der Archäologen-Archive.
Und wenn ich so schaue:
Die hatten 'ne Klaue!"
schimpft Hiero zur Ehefrau Glyphe.

* * *

"Ach wäre ich glücklich und froh
Du würdest im Warmen nicht so
verdammt an mir kleben
dann wäre mein Leben
viel leichter", sprach Hari zu Bo.

* * *

"Wenn ich bloß die Schulden nicht hätte
durch diese bescheuerte Wette!
Jetzt hängt unser Laden
am seidenen Faden."
Sprach Mario zu seiner Nette.

* * *

Die Expedition war ein Fehler.
der Pfad wurde schmäler und schmäler.
"Dein El Salvador
kommt Spanisch mir vor."
Sprach leise die Vene zu Ela.

* * *

"Du schielst mir zu oft nach Dolores.
Drum lehr ich dich erst einmal Mores."
"Das ist doch nur Tratsch
und völliger Quatsch!"
Beruhigt seine Koko der Lores.

Stefan Pölt
Verfolgungsjagd

Sitze wie auf heißen Kohlen
bei einer Verfolgungsjagd.
Kann hier nirgends überholen -
in der Kurve zu gewagt!

Hupe, brülle, zeig den Stinke-
finger Richtung Vordermann,
doch so heftig ich auch blinke,
er bewegt sich nicht rechts ran.

Linkerhand ein steiler Abhang,
rechterhand die Feuerwehr.
Jetzt nur keinen schnellen Abgang,
das wird ungeheuer schwer!

Hintendran ein Helikopter,
wäre der doch endlich weg,
klebt an mir wie ein Bekloppter
bodennah ganz dicht am Heck.

Endlich sind wir angekommen.
Alles steht, ich steige schnell,
noch ganz schwindlig und benommen,
aus dem Kinderkarussell.

Schwarzes Pferd auf Kinderkarusell
Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Uschi Pohl
Strahlen weben Phantasien

Licht und Schatten
die Akzente
schenken Erde feinsten Glanz
zaubern Bilder in Gedanken
laden ein zu einem Tanz
Strahlen weben Phantasien
schlängeln sich
durch Wald und Flur
Wundersames wird entdecken
wer ihr folgt
der flimmernd´ Spur

Licht und Schatten
Zauberkünstler
Waldgesicht
lebend´ge Ruh´
laß die Bilder in mir wirken
schau´ dem stillen Schauspiel zu
sehe Elfen
wie sie gaukeln
in der bunten Laubespracht
wie sie wippen auf den Pilzen
Märchenwelt für mich erwacht

Uschi Pohl
das sammeln

so laß mich trinken
an dem Bache
wenn Durst mich plagt
auf meinem Weg
und laß mich rasten
an dem Ufer
wenn mein Schritt müd´
mein Sinn mir träg´
möchte dein Plätschern
still genießen
nur lauschen dir
mehr brauch´ ich nicht
um mich zu sammeln
für die Strecke
die das Leben
noch auftischt

Chandrika Wolkenstein
Lernstolpern

Am Boden lang kriechen
aus Angst vor dem Fallen,
aus Furcht vor den Folgen,
den Mund immer halten.
Dem Geld nachrennen,
nach Höherem streben,
und völlig vergessen,
das Leben zu leben.
Auf später hoffen,
statt jetzt zu handeln,
sich immer weigern,
sich selbst zu wandeln.
In Schwarz- Weiß denken
und Grenzen missachten,
nicht zuhören und stets
nach Macht und Einfluss trachten.
Lauf nicht blind
in deine eigenen Schlingen,
die nichts für deine Persönlichkeit bringen
Mach dich von unnötigen Zwängen los
und werde frei und furchtlos groß.

Chandrika Wolkenstein
Wenn die Zeit den Atem anhält

Eine Melodie aus Licht
ist kein Klang.
Es ist eine Schwelle.
Für einen Moment
steht ein Tor zur Ewigkeit
offen,
ohne Wächter,
ohne Schlüssel.
Du siehst nichts,
doch du spürst
einen Zustand
jenseits der Zeit.
Dann schließt sich das Tor,
und du gehst weiter
mit dem Wissen,
es gibt mehr als
Stunden,
Minuten,
Sekunden.

Lisa Nicolis
Großstadtmoment

Die Nacht streut schon wohlige Stille
und suhlt sich im Licht der Laternen.
Der Mond schwebt mit Halbmondpupille
und zwinkert sich durch alle Fernen.

Die Straßen nur laufen sich müde
am endlosen Grau ihrer Bahnen
in ewiger Steinplattitüde
mit nachtlebenwill'gen Kumpanen.

© Faro V.
Junges Leben 
oder Vater eines Sohnes

Vor mir steht ein junger Mann.
Aus den Augen schaut das Kind,
fragt mich stumm:„ Wann endlich – wann
weiß ich wie die Dinge sind?“

Vor ihm steht ein alter Mann.
Aus den Augen strahlt noch Kraft,
sagt ihm stumm:„Du merkst es dann –
irgendwann hast du ’s geschafft!“

Meine Zweifel zeig’ ich nicht,
nicht die Angst, die an mir nagt.
Optimismus – Wunsch als Pflicht –
hofft darauf, dass er ES wagt.

Faro.V
Ahnung

Eis
flüchtet schwitzend
auf quecksilberner Höhe
mit salzigen Spuren vor
IHM

ER
weckt Sonne
im Minutentakt früher,
ahnt das bleibende Licht
Frühling

Edeltrud Wisser
Ein schönes Zeichen

Ein Lächeln ist ein schönes Zeichen,
und kann den Tag dir glanzvoll streichen,
schaust du dich um, und dies vergebens,
nach diesem Fingerzeig des Lebens,
dann lächle selbst, und du wirst sehen,
kaum Einer kann dem widerstehen !

Brücke über Fluss - Spiegelung
Foto: Oliver Mohr / pixelio.de

Edeltrud Wisser
Vorwärts

Stehe am Ufer eines Baches
betrachte ihn
staune
bewundere plätschernde Ruhe
geruhsam verfolgt er seinen Pfad
zielstrebig
Hindernisse überwindend
zu keiner Zeit ausharrend
treibt er vorwärts
lebendig
wandlungsfähig
ein Beispiel
für mein Leben
unaufhörlich
voran zu gehen auf dem Weg
der mich weiterführt
zum Lebensziel

Inge Wrobel 2011
so lang solange

solange ich nicht
das wort liebe
zulasse

so lang
findet der schmerz
keinen namen

so lange
werde ich weinen
ohne zu wissen
warum

Inge Wrobel 2005
Die alte Rose

,Einmal noch in letzter Blüte’,
träumt die Rose, ‚will ich stehn.
Sonne mich vor Frost behüte …
klaglos später untergehn.

Einmal noch der einen Biene
Nektar, Lebensfreude sein.
Noch ein letztes Mal ich diene
ihrer Wollust ganz allein.

Wenn sie dann mit meinen Pollen
stäubt ein junges Pflänzchen zart,
ist erfüllt mein letztes Wollen:
hab erhalten meine Art.’

Jürgen Rehm
Rückblick

Ich lebte gern und froh in meinem wachen Leben,
viel Spaß und Torheit ich hier unter Scherzen machte,
vernahm die Stimme nicht, dass ich der Schmerzen achte,
und wollte zarte Bande unter Lachen weben.

Ich wollte Freude, Glück und noch mehr Liebe geben,
bei meiner Liebsten selig ich noch eben wachte,
bedenkend nicht, dass ich des Schicksals Weben achte,
und ließ mich stets von neuer Energie beleben.

Nun schwindet hin, worüber ich noch eben lachte,
es hat – nicht Gold war alles – auch der Glanz gestaubt,
und denke noch, bevor ich bald verhalten ende,

gern an die Menschen, die ich hier im Leben achte,
hab’ stets an eine höhere Instanz geglaubt
und falte leis’ und friedlich nun die alten Hände. 
 


Jürgen Rehm
Harzer Quelle

Es murmelt und plätschert die Quelle so wild,
dass blubbernd gleich Welle auf Welle so quillt.
So silbrig und frisch wie das Helle im Quarz,
so sprudelt und springt hier die Quelle im Harz.
Den Durst man sogleich an der Quelle stillt,
die hier so vergnügt an der Stelle quillt.

Bernd Thier
Bäume

Wie sind sie mir doch lieb
die starken,ach so stillen Bäume.
Ihre Demut verbirgt Erhabenheit.
Blattwerk und die zarten Zweige
lassen Biegsamkeit vermuten
der Stamm aber zeigt Stärke
und Unbeugsamkeit.

Eine Zierde der Landschaft sind sie.
Eine Pracht, bei deren Anblick
so manches Auge lacht.
Sowohl im Winter,
wenn sie angehaucht mit Schnee,
als auch im Sommer
wenn ihr Blattwerk rauscht
und sie die grünen Burgen der Vögel sind.

Im goldenen Herbst
sind sie der Kinder große Freude,
wenn diese mit ihren Füßen
die gefallenen Blätter hochwirbeln.

So ist es ein ständiges Geben und Nehmen
im ewigen Kreislauf der Natur.

Bernd Thier
Die Begleiter

Die Stille summte das Lied
von den magischen Momenten
die doch schon so fern.

Der Staub des Vergessen
wollte diese schon ganz zudecken
als der Klang zart leiser Töne
ihn noch rechtzeitig hinweg wischte.

Bewahrt vor dem Schicksal
des nicht mehr wissen,
kehrten sie als jederzeit abrufbare Erinnerungen
in das Wachbewusstsein ein.

Seit jener Zeit begleiten sie das Leben
und sind die Glückskörner solange es wärt.

Traudel Zölffel
Es kriecht der Abend uns ins Haus

Es kriecht der Abend uns in Haus
lass aus das Licht, ich mag die Dämmerstunde
wenn Formen sich in Schemen wiederfinden
Weichzeichner zieht in sanfter Art die Runde

Ich lieb, wenn Grün ins Fenster fällt
das Draußen mit dem Drinnen sich vereint
es schleift sich ab, was als Kanten scharf
als Linien in Gesichtern uns erscheint

Die Regentropfen klopfen leise an
geben dem Fenster feine Perlenketten
ich zieh mit meinem Finger dort entlang
als könnte ich den Zauber damit retten

Lisa Nicolis
Quelle

es glitzert
ein verlor’ner Himmel
sonnensilbern
in deinem klaren Kräuseln
mich dürstet es
nach monotonem
Plätschern
nach feuchterdiger Frische
die Lauterkeit werd ich
dir trüben
dich schöpfen
und trinken werde ich
den Wald
der sich in deinem
Spiegel wiegt

Lisa Nicolis
Sand - uhr

Ach, die Zeit gab dich in meine Hände,
dich, von ihr aus Fels zu Staub entfremdet,
einverleibt in diese engen Wände,
wo dein Sinn nur noch im Fallen endet.

Träumst du noch von salzig -rauen Brisen,
die zuzeiten dich durch Dünen trieben?
Als Verliebte dir ihr Herz zuwiesen,
drin sie ihre Sonnenträume schrieben?

So wie dich die Stunde stetig wendet,
fließt du immer in den gleichen Hafen,
wie im Kreislauf, der wohl niemals endet,
weil der Zeiten Räder niemals schlafen.

Vera Oelmann
Evolution

Stete Verwandlung ist das Leben.
Der junge Mensch wird alt
und geht dahin.
Was wir als tot bezeichnen,
hat sich nur gewandelt
und wenn wir trauern,
tun wir es um uns,
weil Liebgewordenes
nicht mehr gegenwärtig.

Lebt der gefällte Baum
nicht weiter in dem Stuhl,
der - lauschst Du ihm -
Dir Waldgesänge raunt?
Lebt das, was der Mensch tat,
nicht weiter in dem Andern?
Und wächst aus seinem Staub
nicht eine neue Blume?

Solang ein Jahr sich neigt
und ruht, um dann erneut
in voller Blüte wieder aufzustehn,
wird nichts von dem, was lebt,
auf Ewigkeit vergehn.

Vera Oelmann
Resignation

Ich wollte immer nur
ich selbst sein,
wenn ich mich abschnitt
vom großen Heer
der Bindfaden-Menschen.
Aber stets
holten Puppenspieler
mich zurück
und verknoteten
Fäden aufs Neue.
So spiele ich
meine Rolle weiter
im Welttheater,
während die
Katerstimmung
des unguten Gefühls,
daß im Grunde
alles beim Alten bleibt,
den erneuten Griff
zur Schere verhindert.

Paul Rudolf Uhl
Selbsterkenntnis ist...

Ab heute lebe ich gesund:
Ein Fitnessrad fürs Schlafgemach!
Hab täglich vor zu strampeln und
die Pfunde schwinden, nach und nach!

Ich zieh Bilanz vier Wochen drauf:
Am Körper häuft sich Pfund um Pfund...
Ich reg darob mich gar nicht auf,
was mach´ ich falsch – was ist der Grund?

Fast täglich hindert mich was dran:
der inn´re  Schweinehund ist schuld,
der sagt, warum ich grad ´nicht kann,
entschuldigt alles, voller Huld:

Besuch bekommen – keine Zeit...
Ein schlimmes Kopfweh bremset mich...
Und heut´ ist Stammtisch, tut mir leid...
das Fernsehen ist hinderlich...



Paul Rudolf Uhl
Natur-Religion?

So mancha Felsn hat a Gsicht –
des mechst ned glaam – a Baam oft aa…
Vielleicht gibt´s  wirkli Trolle und
aa Elfen – Mensch, des kunnt doch sa?

Naturgeista – warum denn ned?
Mia Menschn san doch gschaffn worn
vo da Natur und ghearn dazua…?
Red ned dagegn, sonst kriagst mein Zorn!

Weil: I find´s logisch – woaßt, warum?
Da Herrgott is vielleicht d Natur –
allmächtig – und mia sündign
dagegn – des is doch Wahnsinn pur!

Zwar is de Wejt koa Paradies –
des is valorn, de oide Gschicht…
Wann mia aa no de Wejt valiern
– des waar dann unsa letztes Gricht!

Obwohj: da Wejt gang`s ohne uns
vej bessa – des is amoi gwieß...
Und, dass – d Natur – wia ma´s aa nennt -
auf uns gor ned ogwiesn is…

Zu guter Letzt hab ich erkannt:
Allein mit Kauf ist´s nicht getan...
Erkenntnis hilft – ich bin gespannt:
Was ist an diesem Sprichwort dran?...

Nilhexe42j
Ein neuer Tag

Wachgeküßt
durch die Sonne,
geweckt
vom Gesang der Vögel,
lache ich
dem neuen Tag
entgegen.

Seemöwe
Foto: norbibuvar / pixabay.com

nilhexe42j
Die Möwe

Aufgewühlt
gepeitscht im Sturm
berührt das Meer
mein Gesicht.

Zitternd
stehe ich am Ufer.
Atme ich frierend
den Tau der See.

Am Ende
des endlosen Horizontes
schwebt hoffnungsvoll
eine einzelne Möwe.

Lisa Nicolis
Das Fünkchen Hoffnung

Im Schatten meiner Zweifel ziehen
Gedanken leis durch mein Gemüt,
mit Ängsten, die wie Herbst verblühen,
wenn Hoffnung leicht vorüberzieht.

Sie malt die Seele mir viel bunter,
sie gibt mir Mut und klare Sicht
und tief im Herzen  keimt mitunter 
ein kleines, unbeirrtes Licht.

Die Angst mag bleiben, darf mich lehren,
doch sie bestimmt nicht, wer ich bin
-ein bisschen Mut wird immer währen,
der sagt: „Mach weiter. Es hat Sinn.“

Und irgendwo, in all dem Ringen,
liegt Freude auch, wie 'n warmer Schein,
mein Lächeln wächst trotz dunkler Stimmen
und sagt: "Der Tag wird heut ein guter sein" . 

Lisa Nicolis
Das offene Fenster

Hin und wieder schien es,
ich hätte was aufgebaut,
mal ein Schloss, eine Hütte,
mal nur den Rahmen eines Fensters,
das in die Ferne schaut.

Sah den Sand, wenn ich ihn formte,
meist vom Winde verwehn.
Meine Schlösser, eben wie Zeit,
blieben auch niemals stehn.

Waren aus Sand, selbst der Sand
purer Traum.
Nur dieses Fenster, weit sehend
hinweg über Zeit und Raum,
steht wohl so lang
es mein Leben noch hält.
Ist mein offenes Herz
hin zur Welt.

Holger Schleip
Flächendeckend

Braune Erde, grüne Pflanzen
fügen sich zu einem Ganzen;
stetes nehmen, stetes geben, 
selbst sich wandeln – dies ist Leben.

Graue Straße, Dach aus Ziegel,
kahle Wände – Todessiegel:
Nichts ernähren, nichts erfassen, 
keinen Grashalm wachsen lassen.

Menschen stehen über Tieren: 
Sprache, Technik, Tischmanieren;
fleißig uns nach oben reckend
töten wir auch flächendeckend.

 


Holger Schleip
Geheimnis des Lebens

Unten feuchten Mooses Matten, 
oben luftig Blätterdach: 
In des Waldes kühlem Schatten
keimt das Leben tausendfach.

Märchenhafte Blumenwiese,
Formen, Farben, Blütenduft:
So, als ob ihr Glück entsprieße
und verzaubere die Luft.

Sommertanz der Schmetterlinge
farbenfrohe Flügelpracht:
Dass ein Lied aus Licht erklinge,
kündend Gottes Schöpfungsmacht.

Aber: mischt man alles unter,
bleibt nicht warm noch kalt, nur lau;
Farbenmischung macht nicht bunter,
lässt zurück nur ödes Grau.

Das Geheimnis unsres Lebens
liegt versteckt an jedem Ort,
der zwar dies birgt, doch nicht jenes, 
so dass ungleich hier und dort.

Auch der Menschheit Daseinsfülle
trinkt vom Quell der Ungleichheit;
Gleichheit webt des Todes Hülle,
ungleich blüht Lebendigkeit.

Mona Mulke
Zeit für mich

Manchmal
denke ich
über mich nach…
Sehe mir zu,
höre mir zu.
Stehe staunend neben mir,
spiele mit meiner geschenkten Zeit,
in einem verwunschenen Garten.
Laufe staunend durch die Beete,
sehe den Rosen beim Aufblühen zu.
In Zeitlupe dreht sich meine Welt weiter,
jeder Atemzug bringt Ruhe.
Ich liege im Gras,
sehe die Tautropfen fallen.
Das Sonnenlicht bricht sich in ihnen
und
schenkt mir einen Regenbogen….

Regenbogen über Seelandschaft
Foto: werner22brigitte / pixabay.com

Mona Mulke
Manchmal

Manchmal fühle ich mich,
als würde ich
die Wüste durchqueren,
barfuß,
ohne Kompass,
spüre jeden Stein
der sich in meine Füße brennt.
Manchmal
suche ich einen Weg im Schnee,
eiskalt ist mir,
im unendlichen Weis.
Manchmal
tanze ich im Nebel meiner Gefühle,
renne ins Nichts.
Manchmal
tauche ich hinab,
in die Tiefe
meiner Seele
In der Hoffnung
ich finde mich ,
kann mich zärtlich
in den Arm nehmen
und
die Angst besiegen.

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