meine-Festtagsgedichte.de
Herzlich Willkommen

Klassische Gedichte zur Sommerzeit

Bekannte und weniger bekannte klassische Autoren beschreiben in ihren Gedichten zur Sommerzeit die Schönheit der sommerlichen Natur.

Weiße Blüte im Regen
Foto: luis-e / pixabay.com

Klassische Autoren und ihre Werke von A - Z

Lisa Baumfeld

Joseph Freiherr von Eichendorff

Hoffmann von Fallersleben

Friedrich Hebbel

Arno Holz

Detlev von Liliencron

Thekla Lingen

Christian Morgenstern

Rainer Maria Rilke

Joachim Ringelnatz

Philipp Otto Runge

Theodor Storm

Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Städtische Sommernacht

Unten macht sich aller Abend grauer,
und das ist schon Nacht, was da als lauer
Lappen sich um die Laternen hängt.
Aber höher, plötzlich ungenauer,

wird die leere leichte Feuermauer
eines Hinterhauses in die Schauer
einer Nacht hinaufgedrängt,
welche Vollmond hat und nichts als Mond.

Und dann gleitet oben eine Weite
weiter, welche heil ist und geschont,
und die Fenster an der ganzen Seite
werden weiß und unbewohnt.

Philipp Otto Runge (1777-1810)
Sommersneige

Wenn jetzt die Sonne heiß am Himmel stehet;
Es dampft die Flur im reichen Blumenduft;
Vom warmen Wind, der durch die Lüfte wehet.
Ein wogend Wallen über Felder gehet,
Zum Widerklange blauer Himmelsluft:
Es wehen Glöckchen blau von allen Hügeln;
Der Himmel will sich in des Kornes Blume spiegeln.

*aus: Gedichte für einen Sommertag "dtv" Hrsg.: Gudrun Bull

Christian Morgenstern (1871-1914)
Es war ein solcher Vormittag

Es war ein solcher Vormittag, 
wo man die Fische singen hörte, 
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte, 
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis 
der weit und breiten Stille Siegel 
und sangen millionenweis' 
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

Arno Holz (1863-1929)
Jüngst sah ich den Wind

Jüngst sah ich den Wind,
das himmlische Kind,
als ich träumend im Walde gelegen,
und hinter ihm schritt
mit trippelndem Tritt
sein Bruder, der Sommerregen.

In den Wipfeln da ging's
nach rechts und nach links,
als wiegte der Wind sich im Bettchen;
und sein Brüderchen sang:
»Die Binke, die Bank,«
und schlüpfte von Blättchen zu Blättchen.

Weiß selbst nicht, wie's kam,
gar zu wundersam
es regnete, tropfte und rauschte,
daß ich selber ein Kind,
wie Regen und Wind,
das Spielen der beiden belauschte.

Dann wurde es Nacht,
und eh ich's gedacht,
waren fort, die das Märchen mir schufen.
Ihr Mütterlein
hatte sie fein
hinauf in den Himmel gerufen.

Detlev von Liliencron (1844-1909)
Dorfkirche im Sommer

Schläfrig singt der Küster vor, 
Schläfrig singt auch die Gemeinde. 
Auf der Kanzel der Pastor 
Betet still für seine Feinde.

Dann die Predigt, wunderbar, 
Eine Predigt ohnegleichen. 
Die Baronin weint sogar 
Im Gestühl, dem wappenreichen.

Amen, Segen, Türen weit, 
Orgelton und letzter Psalter. 
Durch die Sommerherrlichkeit 
Schwirren Schwalben, flattern Falter.

Theodor Storm (1817-1888)
Ein grünes Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen, 
Ich nahm es so im Wandern mit, 
Auf dass es einst mir möge sagen, 
Wie laut die Nachtigall geschlagen, 
Wie grün der Wald, den ich durchschritt.

rosafarbene Seerose
Foto: couleur / pixabay.com

Thekla Lingen (1866-1931)
Sommer

Sieh, wie sie leuchtet,
Wie sie üppig steht,
Die Rose -
Welch satter Duft zu dir hinüberweht!
Doch lose
Nur haftet ihre Pracht -
Streift deine Lust sie,
Hältst du über Nacht
Die welken Blätter in der heissen Hand ...

Sie hatte einst den jungen Mai gekannt
Und muss dem stillen Sommer nun gewähren -
Hörst du das Rauschen goldener Aehren?
Es geht der Sommer über's Land ...
 

Lisa Baumfeld (1877-1897)
Sommertraum

Golddurchflammte Ätherwogen,
Schwerer Äste grüne Bogen,
Süss verwob'ne Träumerei'n ...
Sommer, deine warmen Farben,
Helle Blumen, gold'ne Garben
Leuchten mir ins Herz hinein ...

In dem Wald, dem dämm'rig düstern,
Hörst du's rauschen, lispeln, flüstern,
Elfenmärchen - Duft und Schaum ...?
Blumenkinder nicken leise,
Lauschen fromm der alten Weise
Von des Waldes Sommertraum ...

Und der See, der windumfächelt
Lallend plätschert, sonnig lächelt,
Netzt das Schilf aus lauem Born ...
Rosen blühen am Gelände,
Rosenglut, wo ich mich wende,
Und im Herzen tief ein Dorn ... 

Quelle: www.wortblume.de/dichterinnen

Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
Mondnacht

Es war, als hätt´ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blüten-Schimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus.
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

rote Mohnblüte vor gelben Wiesenblumen
Foto: pixabay

Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß, 
Das durch den sonnigen Himmel schreitet. 
Und schmücke den Hut, der dich begleitet, 
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser. 
Weil's wohltut, weil's frommt. 
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken 
Von dem freigegebenen Wolkengezupf. 
Vergiss dich. Es soll dein Denken 
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Friedrich Hebbel (1813-1863)
Sommerbild 

Ich sah des Sommers letzte Rose stehen, 
Sie war, als ob sie bluten könnte, rot 
Da sprach ich schaudernd im Vorübergehen:
So weit im Leben, ist zu nah dem Tod! 
Es regte sich kein Hauch am heißen Tag, 
Nur leise strich ein weißer Schmetterling; 
Doch, ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag 
bewegte, sie empfand es und verging.

Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Wie freu' ich mich der Sommerwonne!

Wie freu' ich mich der Sommerwonne, 
Des frischen Grüns in Feld und Wald, 
Wenn's lebt und webt im Glanz der Sonne 
Und wenn's von allen Zweigen schallt!

Ich möchte jedes Blümchen fragen: 
Hast du nicht einen Gruß für mich? 
Ich möchte jedem Vogel sagen: 
Sing, Vöglein, sing und freue dich!

Die Welt ist mein, ich fühl es wieder: 
Wer wollte sich nicht ihrer freu'n, 
Wenn er durch frohe Frühlingslieder 
Sich seine Jugend kann erneu'n?

Kein Sehnen zieht mich in die Ferne, 
Kein Hoffen lohnet mich mit Schmerz; 
Da wo ich bin, da bin ich gerne, 
Denn meine Heimat ist mein Herz.

Bitte beachten:

Verwendung der Texte nur mit Copyrightangabe!

*Näheres unter Nutzungsbedingungen!