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Autoren der Gegenwart Winterlyrik 2

Autoren der Gegenwart präsentieren in der Rubrik Winterlyrik ihre Texte zum Thema Winter und Weihnachten. Den Leser erwarten winterliche Stimmungsbilder und besinnliche, heitere, aber auch kritische Weihnachtsgedichte.

Winterlandschaft
Foto: nitli / pixabay.com
Winterlandschaft im Sonnenuntergang
Foto: Oldiefan / pixabay.com
Auto auf schneebedeckter Landstraße
Foto: tpsdave / pixabay.com

Mitwirkende Autoren von G - K

Kl. Weihnachtsmaus 

Text + Bild 

Es werde Licht

Endlich Schnee

Wartesaal der ... 

1. Advent 

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Weihnachtswald

Es wird Winter

Wie wir Weihnachten

Öffnet eure Herzen 

Weihnacht i. d. Stadt

Bethlehem

 

Winterschnuppengelb  

Heilig Abend

Barmherzigkeit

Wunderapfel

Traurig

 

Eleonore Görges
Kleine Weihnachtsmaus

Was raschelt denn da im Winterwald?
Ein Mäuschen… ihm ist’s gar so kalt,
es frieren ihm Beine und Ohren,
eisig ist’s, der Boden gefroren.

Ach - das Mäuslein hat verlaufen sich,
und die Füßchen schmerzen fürchterlich,
wollt‘s doch nur zum Weihnachtsabend
eine winzig kleine Tanne haben.

Es scheint sich stets im Kreis zu drehen
und kann des Försters Haus nicht sehen,
denn dort im warmen Kellersalon,
warten Eltern und Geschwister schon.

Verzweiflung packt die kleine Maus,
auch ohne Tanne möcht‘ sie nach Haus,
erste Tränen erstarren im Fallen,
lassen Himmelstrompeten erschallen.

Das Christkind hört’s und hat Erbarmen
mit der kleinen Maus, der armen,
lässt den Weihnachtsstern hell erstrahlen,
den Rückweg in den Himmel malen.

Das Mäuslein erspäht sogleich das Licht,
schon erhellt sich sein ängstlich Gesicht,
denn auch den Weg erkennt es sofort,
zurück zu seinem lieb Heimatort.

Schnell läuft es und folgt dem Weihnachtslicht,
da ist schon des Försters Haus in Sicht…
so hat‘s Christkind in der Heil’gen Nacht,
die kleine Weihnachtsmaus nach Haus gebracht.
 

 

Eleonore Görges
Öffnet eure Herzen

Ein Jahr neigt sich dem Ende zu,
s’ist Winter, die Natur schenkt Ruh,
lass tiefe Ruh auch dein Gast sein,
lad Friede in dein Herze ein.

Weihnacht ist es nun schon bald,
ist´s auch draußen noch so kalt,
Wärme zieht in Herzen ein,
sollt das ganze Jahr so sein.

Menschen sehnen sich nach Frieden,
der an Weihnachten beschieden,
wenig Tag nur herrscht die Liebe,
in dem tosend Weltgetriebe.

Wir kehren in uns selber ein,
Seelengenuss, der Kerzen Schein,
Besinnlichkeit wird groß geschrieben
und endlich Zeit für uns’re Lieben.

Weihnacht hält den Takt der Zeit
in kleinen Schritten uns bereit,
erhebt den Finger der Menschlichkeit,
die nach Liebe sucht, jederzeit.

Lasst schenken uns darüber hinaus,
das ganze Jahr, tagein, tagaus,
viel Herz, viel Zeit und Menschlichkeit,
schenkt Lieb nicht nur zur Weihnachtszeit!

Heinz Gropp
Bethlehem

du hast den Gesang der Engel gehört
und machst dich nun auf den Weg
um das neugeborene Kind in der Krippe zu suchen

spar dir die weite Reise nach Bethlehem
dort wirst du nichts finden

auch in unseren reichgeschmückten Kathedralen
suchst du umsonst

öffne deine Wohnungstür
und geh hinaus
hinaus auf die Straße
auf die Straßen deiner Stadt
auf die Straße deines Lebens

und schenke den Menschen
denen du dort zufällig begegnest
ein kleines Stückchen Freude

zaubere ein Lächeln auf ihr Gesicht

und wenn du wieder heimkommst
in deine Wohnung
dann weißt du
dass du IHM begegnet bist

in den Menschen

auf der Straße deines Lebens

Heinz Gropp
Es werde Licht

„Es ist besser, eine Kerze anzuzünden
als über die Finsternis zu klagen“
sagt ein altes chinesisches Sprichwort

schon der Schein einer einzigen Kerze
besiegt die Finsternis
lässt unsere Augen sehen

helft uns
möglichst viele Kerzen anzuzünden
möglichst viel Gutes zu tun
um die Finsternis zu vertreiben

church-1581920_1920
Foto: tpsdave / pixabay.com

Ursula Gressmann
Weihnachten in der Stadt

Nacht drängt sich
in den Ecken
gnadenlos
hell ist das Neonlicht
kein sanfter Kerzenschimmer
lautes Liedgedudel
auf dem Weihnachtsmarkt
verlockende Gerüche
Glühwein
Bratwurst
Pfefferkuchen
doch vom Geruch
wird niemand satt
und Frieden
den kann man nicht
kaufen

Winterlandschaft mit Gedicht von Ursula Gressmann
Text und Bild: Ursula Gressmann

Christine Hammes
Endlich Schnee

Land im Nebel schwarze Krähen
Keine Zeit um Korn zu säen
Kahle Äste wie Gespenster
Kindernasen platt am Fenster

Vater Frost mit strenger Hand
Hält sie in dem Haus verbannt
Bis die weiße Winterfee
Deckt die Flur mit erstem Schnee

Heimlich leise über Nacht
Fällt die schöne Winterpracht
Jubelschreie Kinderglück
Niemand hält sie mehr zurück

Dicke Stiefel bunte Mützen
Eilen zu den Rodelpisten
Toben bis zu Dunkelheit
Endlich endlich Schlittenzeit

Hansjürgen Katzer
Heilig Abend

Kinderaugen strahlen heller,
Lichterglanz bricht Dunkelheit.
Manche Herzen schlagen schneller,
wunderbare Weihnachtszeit.

Plätzchen duften, Glöckchen klingen,
ach, das Christkind ist nicht fern.
Menschen hoffen, Eng´lein singen,
hoch am Himmel steht der Stern.

Leise ist der Tag gekommen,
der sich Heiligabend nennt,
Freud´ und Glück, der vielen, frommen
Kinder, deren Sehnsucht brennt.

Wünsche wurden aufgeschrieben,
viele waren schöner Traum.
Andere sind uns geblieben,
liegen unterm Tannenbaum.

Und man steht vielleicht am Fenster,
atmet fast der Weihnacht Macht
Lichter huschen wie Gespenster,
durch die kalte Winternacht.

Manchmal springt der Funken Frieden,
den es braucht für diese Welt,
sanft und still und ganz entschieden,
über, der uns neu erhellt.

Diesen wünsch´ ich Euch von Herzen,
das er währt uns lange Zeit.
Künde uns im Schein der Kerzen,
Weg aus der Zerrissenheit!

Hansjürgen Katzer 2011
1. Advent

Stürmisch ist es heut´ im Wald,
der Wind klopft an die Türen.
Schneeflöckchen fällt zur Erde bald,
man kann es deutlich spüren.

Die Kinder schnuppern Plätzchenduft,
Mama hat frisch gebacken.
Vanillezimtig riecht die Luft,
Papa muss Nüsse knacken.

Zur Kirche gings am Morgen schon,
dort wurde froh gesungen,
Es kündet sich des Heilands Sohn,
schon flüstern Engelszungen.

Der holde Kranz der Weihnachtszeit,
ward neu mit Grün geschmücket,
mit Kiefernzapfen Seit´ an Seit´,
das Auge wohl entzücket.

Nun noch die Schleifchen aufgesteckt
und Äpfelchen und Beeren.
So ist er bunt und reich bedeckt,
mag uns viel Freud´ bescheren.

Es brennt die erste Kerze nun,
ihr Lichterschein stimmt milde,
Man darf nun in Gedanken ruh´n,
verliert das Laute, Wilde.

So sieht man wieder jenes Zeichen,
das Gott, die Menschen innig liebt,
So woll´n wir uns die Hände reichen
das er uns seinen Frieden gibt.

Insulaire
Winterschnuppengelb

Gelbe Gedanken
Gelb Gelb-gelb
Zartgelb wie würziger Limonensaft
Gelb wie die Freude einer Sonnenblume
Gelb Gelb wie Licht in meinem Herzen

Blaue Gedanken
Blau Blau-blau
Gischtblau wie das Januarmeer
Blau wie mein Mondnachthimmel
Blau Blau wie süßer Curacao

Grüne Gedanken
Grün Grün-grün
Froschgrün wie diese meine immergute Laune
Grün wie Petersilie in der Suppe des Lebens
Grün Grün wie Sehnen und Hoffen

Rote Gedanken
Rot Rot-rot
Blutrot wie meine Liebe
Rot wie 1001 rosa Wolken
Rot Rot wie Ketchup auf Erdbeereis

Gelb sind meine Gedanken
Verheißungsgelb wie die Sternschnuppe einer Winternacht
 

 

Insulaire
Wartesaal der Wintergrippe

Im Wartesaal der Wintergrippe
erzittert manche Hustenlippe.

Da schütteln sich die Schnupfennasen
und schleudern ihre feuchten Blasen
dem Gegenüber ins Gesicht.
Es duftet wahrlich winterlich
nach Kampfer und nach altem Bett,
- und alle jammern im Duett,
berichten voller Enthusiasmus
vom Schleimgenuss (nicht beim Orgasmus,
nein-nein) im siechen Rachenraum.
Ein jedes Wort versprüht den Schaum
von abermillionen Viren,
die siegreich in der Luft vibrieren,
um gegenseitig uns zu schinden,
die Menschheit krankhaft zu verbinden.

Das ist der Duft der Winter-Welt,
wenn Schnupfen spritzt und Husten bellt.

Sinjana alias MIK
Barmherzigkeit

Lass die Liebe
überfließen

die dich erreicht,
und in dir blüht
das Licht
tausender
Rosensonnen.

Lass die Freude
strömen

die in dir ist,
geboren
aus Tränen
ausgegossener
Liebe.

Lass alle Schönheit
aus deiner Tiefe
erstrahlen,
die du in deiner Seele
fühlst,

so bist du wie das
Licht am dunklen
Firmament,
ein Stern
der funkelt
und leuchtet,
die Welt
in Staunen
versetzt,
wie ein
kleines Kind

zum ersten Mal
das berührt
wonach
es sich
am meisten
sehnt.

Sinjana alias MIK
Teilen...

Wenn wir lernen
das miteinander
bedingungslos zu teilen,
was wir uns selbst
am tiefsten wünschen,
findet uns
ganz von selbst das,
wonach wir uns
am meisten sehnen...

Winterlandschaft
Foto: Larisa-K / pixabay.com

Silke Kuba
Wie wir Weihnachten das Fest der Liebe...

Was bin ich doch vom Kaufen lahm!
Ich schnappt' was mir im Laufen kam:
Der Weihnachtsmarkt mit süßen Dingen
und Liedern, die von diesen singen,
hat jetzt geschlossen; Leute hasten,
die Letzten schleppen heute Lasten.

****

Nun ist's soweit - auf Tischen Zweige,
ich renne, back' inzwischen Teige.
"Willst du nicht Tanten verwöhnen",
hört' ich die Verwandten tönen.
"Wir wollen auch zufrieden schmatzen!"
Indess - die Kinder schmieden Fratzen.
Sie sahen Tante Trude beten
schon beim In-die-Bude-treten.
Und um's Bankett erglühen Mimen,
wo Lichter nur mit Mühen glimmen,
obwohl im jährlich' Kerzenschimmer
ich redlich mich ums Scherzen kümmer'!
Die Tante meint, dass ganze Kugeln
kein Manko sei'n, das kann'se googeln.
Sie fand, dass diese müde Pracht
den Baum so richtig prüde macht'.
Sie hätt' aus Stroh, so Sterne, keine,
auch störten sie die Kerne, Steine,
die buntbemalt von Kinderhänden
die Mühe nicht dahinter kennten.

****

Da war's zu spät, ich weinte munter...
Die gute Tante meinte, Wunder,
die gibt es nur im Himmel, Kinder!
Der Onkel soff den Kümmel hinter.
Ich dachte: Dies' gemeine Aas!
Der säuft den Schnaps wie eine Maß
und jammert, jault über de Gicht!
Dann floh ich und schrieb dies Gedicht.

Mara Krovecs ( Zaubersee)
Wunderapfel

Kälte biss hartnäckig
in meine Fingerspitzen
als ob ich keine
Handschuhe trüge.

In der Auslage
sah ich die heiß ersehnten
rubinroten Äpfel mit
den hellen Herzen
geliebte Weihnachtsboten.
Meinen gekauften drehte ich
traumgeküsst in
gewinterten Händen
meine rote Nase leuchtete
so hell wie die Lichtreklamen
während für mich die Sterne
aus den Schaufenstern blinkten.

Der wunderschöne Apfel duftete
wie eingekremt mit Mandeln und Maronen
das Äffchen vom Drehorgelmann kreischte
da teilte ich den Apfel
und erschrak

aus ihm flog jemand
auf meine Eisnase
vor meinen Augen hüpfte etwas
und tanzte in der Luft herum
ein Igelchen, winzig klein
warf mit Apfelkernen
und streckte mir seine
rosarote Zunge heraus
wackelte mit den Händen
an den Igelohren
und schwamm plötzlich fort
in die atemnebelige Winterluft
in den Tannen - und Vanilleduft
in die langsam heruntertaumelnden
dicken Schneeflocken

Weissbällchen
Eisküsschen
Schneeprinzesschen
Winterhexlein
oh, die Luft war voller
weißer Federkleidchen
so zauberkalt
ich biss in den Apfel und
wunderte mich
in dieser flockengeflüsterten Nacht
über gar nichts mehr.

Mara Krovecs ( Zaubersee)
Weihnachtswald

Im nahen Wald
der eisversponnene See
singt sein frostklirrendes Lied
im hauchfeinen Tütü
weiß verwunschene Sterne
werden von Engeln
aus Silberwolken gestreut

in dieser Nacht
brennen Kerzen am dunklen
wispernden Himmelspalast
mattsilberne Kugel
schwebt über dunkelgrünem
Tannengehölz - lächelt ihm zu
dem bärtig Alten
mit löchrigen Handschuhen

auf der Decke
liegt sein warmatmender Hund
schnüffelt zärtlich an dem Fleisch
das der Alte ihm gern
in dieser Nacht geschenkt hat
Flocken schweben auf die Tüte
mit dem roten Wein
und Glück heißt jeden Tag anders

in dieser Nacht
brennen Herzen in unseren
plötzlich erwachenden Seelen
mattsilberner Mond - du
singst das Weihnachtslied - dies Jahr
für uns - den Alten - für alle
im Schneehochzeitstanz
hoffnungsbrennender Weihnachtsglanz.
 

Baum im Winter mit Schnee bedeckt
Foto: metlas / pixabay.com

Heinz Krüger
Es wird Winter
für Alfred Lichtenstein (1889-1914)

Die Straße klimmt den Berg hinan.
Die Bäume stehn Spalier.
Am Markt der Leierkastenmann,
er wünscht sich ein Klavier.

Die Taube liebt das Taubenblau.
Der Himmel platzt vor Neid.
Der Rock der Reinemachefrau
war früher mal ein Kleid.

Mit ihrem Schwarz erfüllt die Nacht
sehr sorgsam ihre Pflicht.
Der Leuchtturmwärter a.D. macht
sein traurigstes Gesicht.

Ein Strolch bleibt heute unerkannt.
Sein Hund verfolgt ein Reh.
Der Frosch prüft noch den Pegelstand.
Dann sagt er: Es gibt Schnee.

Heinz Krüger
Traurig

Es schneit.
Die Flocken schweben
herab auf die Zweige.
Ich schweige.

Noch immer fällt Schnee
und bedeckt wie Flaum
die Zweige vom Flieder.
Ich schweige wieder.

Es schneit immer weiter.
Kristalle umhüllen
den Stachelbeerstrauch.
Nun schweige ich auch.

Ein Tannenbaum und –
da hämmert ein Specht.
Es rieselt der Schnee.
Ich schweige erst recht.

Warum, hör mal, schweigst du,
sag uns doch, warum?

Ich kann doch nicht anders.
Ich bin ein –
Baumstumm.

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