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Klassische Gedichte zur Herbstzeit

Hier erwarten Sie interessante Werke bekannter und weniger bekannter klassischer Lyriker zur leisen Wehmut der farbenprächtigen Herbstzeit.

Herbst - Bäume am See
Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de

Klassische Autoren und ihre Werke von A - Z

Cäsar Otto Hugo Flaischlen

Stefan Anton George

Friedrich Hebbel

Arno Holz

Nikolaus Lenau

Detlev von Liliencron

Emerenz Meier

Eduard Mörike

Christian Morgenstern

Rainer Maria Rilke

Joachim Ringelnatz

Heinrich Seidel

Carl Spitzweg

Franz Josef Zlatnik

Stefan Anton George (1868-1933)
Komm in den totgesagten Park und schau!

Komm in den totgesagten park und schau: 
Der schimmer ferner lächelnder gestade - 
Der reinen wolken unverhofftes blau 
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb, das weiche grau 
Von birken und von buchs, der wind ist lau - 
Die späten rosen welkten noch nicht ganz - 
Erlese küsse sie und flicht den kranz -

Vergiss auch diese lezten astern nicht - 
Den purpur um die ranken wilder reben -
Und auch was übrig blieb von grünem leben 
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

*aus: Gedichte für einen Herbsttag "dtv" Hrsg.: Gudrun Bull

Arno Holz (1863-1929)
Kleine, sonnenüberströmte Gärten

Kleine, sonnenüberströmte Gärten
mit bunten Lauben, Kürbissen und Schnittlauch.

Noch blitzt der Thau.

Ueber den nahen Häuserhorizont ragen Thürme.

Durch das monotone Geräusch der Neubauten,
ab und zu,
pfeifen Fabriken,
schlagen Glocken an.

Auf einer Hopfenstange sitzt ein Spatz.

Ich stehe gegen einen alten Drahtzaun gelehnt
und sehe zu, wie über einem Asternbeet
zwei Kohlweisslinge taumeln.

Christian Morgenstern (1871-1914)
Blätterfall

Der Herbstwald raschelt um mich her...
Ein unabsehbar Blättermeer
entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
mitklagen will den großen Schmerz -
sei stark, sei stark und schweige!

Du lerne lächeln, wenn das Laub,
dem leichten Wind ein leichter Raub,
hinabschwankt und verschwindet.
Du weißt, daß just Vergänglichkeit
das Schwert, womit der Geist der Zeit
sich selber überwindet.

Carl Spitzweg (1808 -1885)
Die gelben Blätter schaukeln...

Die gelben Blätter schaukeln
Im Sonnenstrahl, dem fahlen,
Nicht Amoretten gaukeln
Wie Anno dazumalen.

In warmer Ofennähe,
Filzschuhe an den Füßen,
Erwart' ich still und spähe,
Was bald wird kommen müssen.

Doch will getrost ich wandern,
Und wird der Vorhang fallen,
So gönn' ich gerne andern,
Den Frühling neu zu malen.

Zwei Steinpilze
Foto: Kurt F. Domnik / pixelio.de

Cäsar Otto Hugo Flaischlen (1864-1920)
Das ist nicht Sommer mehr

Das ist nicht Sommer mehr, das ist September...Herbst;
diese großen weichen Wolken am Himmel,
diese feinen weißen Spinnwebschleier in der Ferne
und hinter den Gärten mit den Sonnenblumen
der ringelnde Rauch aufglimmender Krautfeuer
und diese süße weiche Müdigkeit und diese
frohe ruhige Stille überall und trotzdem wieder
diese frische, satte, erntefreudige, herbe Kraft...
das ist nicht Sommer...das ist Herbst.

Nikolaus Lenau (1802-1850)
Herbst

Rings ein Verstummen, ein Entfärben:
Wie sanft den Wald die Lüfte streicheln,
Sein welkes Laub ihm abzuschmeicheln;
Ich liebe dieses milde Sterben.

Von hinnen geht die stille Reise,
Die Zeit der Liebe ist verklungen,
Die Vögel haben ausgesungen,
Und dürre Blätter sinken leise.

Die Vögel zogen nach dem Süden,
Aus dem Verfall des Laubes tauchen
Die Nester, die nicht Schutz mehr brauchen,
Die Blätter fallen stets, die müden.

In dieses Waldes leisem Rauschen
Ist mir als hör' ich Kunde wehen,
daß alles Sterben und Vergehen
Nur heimlich still vergnügtes Tauschen.

Friedrich Hebbel (1813-1863)
Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält;
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

*aus: Gedichte für einen Herbsttag "dtv"
Hrsg.: Gudrun Bull

Eduard Mörike (1804-1875)
Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Quelle: handmann.phantasus.de

Joachim Ringelnatz (1883-1934)
Herbst

Der Herbst schert hurtig Berg und Tal
Mit kalter Schere ratzekahl.
Der Vogel reist nach warmer Ferne;
Wir alle folgtem ihm so gerne.

Das Laub ist gelb und welk geworden,
Grün blieb nur Fichte noch und Tann'.
Huhu! Schon meldet sich im Norden
Der Winter mit dem Weihnachtsmann.
 

Erntedank-Dekoration mit Getreide Obst Gemüse
Foto: Petra Hegewald / pixelio.de

Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit, 
als welkten in den Himmeln ferne Gärten; 
sie fallen mit verneinender Gebärde. 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde 
aus allen Sternen in die Einsamkeit. 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. 
Und sieh dir andre an: es ist in allen. 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen 
unendlich sanft in seinen Händen hält. 

Franz Josef Zlatnik (1871-1933)
Frühherbst

Noch grünt das Laub, noch leuchtet Himmelsbläue, 
Du sehnend Herz, ein Weilchen noch dich freue! 
Manch Blümchen steht noch auf der Wiese, 
Erzählt vom Sommerparadiese ... 
Doch feucht und kühl ein flüsternd Lüftchen weht: 
 »Das Grün verblaßt, das letzte Blühn vergeht!«

Der Wald umfängt mich noch mit trauter Schöne –  
Doch hier und dort – schon bunte Farbentöne! 
Ich will mich freun des Sonnenglanzes, 
Und denk' – des Jugendblütenkranzes! – 
Ich sehe fallen da und dort ein Blatt, 
Herab zur kühlen, feuchten Ruhestatt ...

Emerenz Meier (1874-1928)
Herbst

Im Herbstwind rauscht der Wald, die Zweige beben
Vor seinem Hauch, der frisch von Norden zieht.
Die Vöglein all die Stimmen sanft erheben
Zum letztenmal, zum trüben Abschiedslied.

Vom Baume fällt das bunte Laub und flüstert
Vom Sterben und von unbarmherz'ger Zeit.
Auf Busch und Moos der Abendschatten düstert
Und überm Hang macht sich der Nebel breit.

Zu Tal in raschem Laufe eilt die Quelle.
Ja eile nur, bald hemmt der kalte Frost
Dich Felsenkind; zu Eis erstarrt die Welle
Und stille wird's, wo sonst du froh getost.

Geh heim, du müder Pilger dort am Raine,
Eh's Winter wird. Zieht dich die Sehnsucht nicht
An warme Herzen? - Oder weißt du keine
Die auf dich warten in des Herbstes Licht?

Heinrich Seidel (1842-1906)
November

Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdrießlich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturrmwind graulen!
Und wie naß er alles macht!
Ja, es ist die wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinander wirbelt
Und sie hetzt ohn' Unterlaß:
Ja, das ist Novemberspaß!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelstau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Und an jeder Traufe hängt
Trän' an Träne dicht gedrängt.

O, wie ist der Mann zu loben,
Der solch unvernünft'ges Toben
Schon im voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So daß wir im Trocknen hausen
Und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!

Detlev von Liliencron (1844-1909)
Herbst

Astern blühen schon im Garten,
Schwächer trifft der Sonnenpfeil. 
Blumen, die den Tod erwarten 
Durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Heide, 
Blätter zittern durch die Luft. 
Und es liegen Wald und Weide 
Unbewegt in blauem Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht. 
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer, 
Welke Rosen, reife Frucht.

Quelle: http://gedichte.levrai.de/herbstgedichte.htm

Welkes Blatt auf Holzzaun
Foto: angieconscious / pixelio.de

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