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Geschichten, Kurzgeschichten, Märchen und Erzählungen

In dieser Rubrik werde ich nach und nach von mir geschriebene, besinnliche und heitere Kurzgeschichten,Märchen oder Erzählungen vorstellen.
Fotogedicht
Spruch: "In Gedanken ... " (c) Anita Menger / Foto: Rosel Eckstein - pixelio.de

Anita Menger
Ein besonderes Osternest

Bommel, ein direkter Nachfahre des gleichnamigen, ersten offiziellen Osterhasen, warf einen zufriedenen Blick auf die bunten Eier, die er und seine Freunde bemalt hatten.
„Genug für heute!“, sagte er bestimmt und legte dabei seine Schürze ab. Freundlich bat er zwei seiner neben ihm stehenden Helfer: „Fridolin, Klopfer, trommelt bitte alle Osterhasen zusammen, wir treffen uns in 10 Minuten im Versammlungssaal!“
 „Alles klar, Chef!“, antworteten die beiden Angesprochenen wie aus einem Mund und hoppelten hinaus um ihren Auftrag auszuführen.

Zehn Minuten später kamen alle Osterhasen im Versammlungsraum zusammen. Bommel eröffnete die außerordentliche Sitzung mit den Worten: „Meine Freunde, wie ihr wisst, habe ich wie jedes Jahr Kuriere zu den Menschen geschickt um zu sehen, ob bei ihnen alles in Ordnung ist!“. Mit sorgenvoller Stirn setzte er hinzu: „Die Nachrichten, die ich diesmal erhalten habe, sind leider mehr als betrüblich!“ Bommel erklärte den Anwesenden, dass ein Virus, das sich zu einer Pandemie entwickelt hatte, das Leben und die Existenz vieler Menschen in Gefahr brachte. Um ein wirksames Mittel gegen das Virus zu finden galt es für die Menschen Zeit zu gewinnen, was bedeutete, dass sie so gut wie möglich Abstand voneinander halten mussten. Deshalb wurden ihnen Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote auferlegt.
 

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Bommel sah die besorgten Blicke seiner Freunde und sprach schnell weiter: „Nachdem ich das alles erfahren hatte, bin ich zu unserer Freundin Lilo und ihrer Mutter, der Regenbogenfee, gegangen und habe mich mit ihnen beraten. Lilo und auch ihre Mutter sind wie ich der Meinung, dass die Menschen bereits auf dem richtigen Weg sind um das Virus einzudämmen, aber es ist ein schwerer Weg, die Menschen brauchen jetzt viel Geduld und Kraft, um lange genug durchzuhalten. Auch zu Ostern werden sie auf Familienfeiern und Andachten verzichten müssen!“, sagte Bommel traurig und setzte abschließend hinzu: „Für uns Osterhasen gibt es nur eine Möglichkeit die Menschen zu unterstützen: Gegen das Virus selbst sind wir machtlos, aber wir können unsere Osternester mit ehrlichem Mitgefühl und herzlicher Liebe gestalten und unsere besten Wünsche einflechten. Lilos Mutter hat mich ein Gedicht gelehrt; wenn wir die Verse beim Fertigen der Nester aufsagen, verleihen wir den Wünschen besonderen Nachdruck!“
Eine Weile blieb es still, die Hasen waren betroffen und mussten das Gehörte erst einmal verarbeiten, doch schließlich erntete Bommel von allen Seiten Beifall und sein Vorschlag wurde umgehend in die Tat umgesetzt.

So kam es, dass die Osterhasen beim Flechten der Osternester die besten Wünsche für alle Menschen hineinlegten und während ihrer Arbeit diese Worte sprachen:

Mit Liebe flechte ich ein Nest
aus grünen Hoffnungszweigen,
die besten Wünsche web´ ich ein,
sie sollen euch begleiten:

Gesundheit und Zufriedenheit,
viel Glück und frohe Zuversicht
auch Kraft und Trost in schwerer Zeit,
Humor und Freundschaft fehlen nicht.

Mit bunten Eiern, etwas Moos
wird es bestückt - nun bleibt mir bloß
noch eins: Ein Band mit Gottes Segen
um dieses Osternest zu legen.

Nachdem sie fertig waren, erschienen die Regenbogenfee und ihre Tochter Lilo, sie bestäubten die Osternester mit Feenstaub, so wurden diese beim Transport geschützt und die Wünsche erhielten ihre magische Kraft.
Eifrig füllten die Osterhasen die fertigen Nester in ihre Rückentragen und machten sich auf den Weg zu den Menschen.

Alle Osterhasen hoffen, dass ihre liebevoll geflochtenen Nester von vielen Menschen gefunden werden. Sie würden sich freuen, wenn jeder, der eines dieser Nester findet, die damit verknüpften guten Gedanken an andere Menschen weitergibt, deshalb habe ich dieses Osternest für alle Leser hier eingestellt und schließe mich den guten Wünschen von ganzem Herzen an.

© Anita Menger 02.04.2020

 


Anita Menger'
Bommel, der erste Osterhase

Früher, es ist schon sehr lange her, feierten die Menschen zwar das Osterfest, aber es gab noch keinen Osterhasen.
Damals waren die Regenbogenfee und ihre Kinder, die auch heute noch für die Farben der Natur verantwortlich sind, in der Osterzeit zusätzlich für das Sammeln, Färben und Verstecken der Eier verantwortlich.
Wenn ihr meint, dass das für die Feen ein Leichtes war, da sie ja ihre Feenkräfte haben, täuscht ihr euch. Mit dem Zauber der Feen und Elfen ist es so wie mit den besonderen Talenten, die einige Menschen haben. Die Gabe allein genügt nicht, es gehören immer auch Fleiß und Ausdauer dazu.

Nicht, dass die Feen den Menschenkindern nicht gern diese Osterfreude machten, aber es wurde ihnen mit der Zeit doch etwas viel. Die Eier mussten aus vielen, oft weit entlegenen, Hühnerställen eingesammelt und danach haltbar gemacht werden, wobei die Feen sie nicht kochten, sondern hierbei Feenstaub zu Hilfe nahmen. Anschließend wurden die Eier eingefärbt, was viel Zeit in Anspruch nahm, dann wurden sie in die mit geschickten Händen geflochtenen Nester gelegt und in den Gärten oder Häusern der Menschen versteckt.
Die Regenbogenfee bemühte sich immer wieder im Tierreich Hilfe, wenn nicht gar Ersatz, zu finden. Nacheinander wagte sie mit Kuckuck, Hahn und Fuchs einen Versuch. Leider konnte sich keiner von ihnen durchsetzen, so blieb die Arbeit weiter an den Feen hängen.

Doch eines Tages wendete sich das Blatt. Es war wieder einmal kurz vor Ostern, die Regenbogenfee und ihre Töchter waren mitten in den Vorbereitungen zum Osterfest. Diesmal hatten sie allerdings einen neugierigen Zuschauer.
 

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Bommel, ein kleiner Feldhase, war auf einem seiner Ausflüge auf die provisorisch eingerichtete Oster-Werkstatt gestoßen und beobachtete fasziniert, was dort vor sich ging. Er konnte sich gar nicht losreißen und hätte nur zu gern mitgemischt.

Nach einiger Zeit hatte er den Mut sich einer Fee, die gerade aus der Werkstatt kam, zu nähern und fragte sie frei heraus, ob er nicht helfen könnte. Lilo, so hieß diese Tochter der Regenbogenfee, antwortete ihm: „Eigentlich können wir jede Hand gebrauchen, aber ich muss erst Mama fragen!“ Sie entfernte sich und Bommel beobachtete wie sie mit ihrer Mutter sprach. Das wiederholte Kopfschütteln dieser ließ seine Hoffnung langsam wieder schwinden.
Als Lilo zu ihm zurückkam, ahnte er schon, wie ihre Antwort lauten würde und war deshalb nicht erstaunt, als sie ihm sagte: „Es tut mir leid, aber Mama meint, wir hätten schon zu oft mit Tieren Pech gehabt, die uns helfen wollten und dann doch schnell die Lust dazu verloren haben. Sie will nicht wieder umsonst Zeit und Mühe investieren!“
Daraufhin zog sich Bommel enttäuscht zurück. Er nahm sich aber fest vor wiederzukommen und die Regenbogenfee zu überzeugen, dass er es wirklich ernst meinte.

Und Bommel kam wieder, und wieder, und wieder. Die Regenbogenfee bemerkte ihn wohl und konnte nicht umhin seine Hartnäckigkeit zu bewundern. Vermutlich hätte Bommel sie mit der Zeit durch seine Ausdauer von seinen ernsten Absichten überzeugt. Es geschah aber etwas, was ihn früher an sein Ziel bringen sollte.

Eines Tages, als Bommel wieder das geschäftige Treiben der Feen beobachtete, fiel ihm auf, dass Lilo, mit der er sich immer wieder einmal unterhalten hatte, fehlte. Zunächst dachte er sich nichts dabei aber als sie auch nach längerer Zeit noch nicht erschien, wurde er doch unruhig. Die anderen Kinder der Regenbogenfee und sie selbst waren so beschäftigt, dass ihnen Lilos leerer Platz anscheinend gar nicht auffiel.
Bommel beschloss sich zunächst einmal in der näheren Umgebung umzusehen. Vielleicht war Lilo irgendwo eingeschlafen. Er hoppelte durch das Feld und sah hinter jeden Busch und unter jeden Baum. Als er schon aufgeben wollte, hörte er ein leises Wimmern und lief daraufhin noch ein Stückchen weiter an den Feldrand und tatsächlich, da saß Lilo und sah ihm mit verweinten Augen entgegen. Schnell trocknete sie ihre Tränen und sagte erleichtert: „Ach wie schön, dass du da bist, Bommel. Ich habe mir an diesem Busch meinen rechten Flügel verletzt, konnte deshalb nicht weiterfliegen und laufen traue ich mich nicht, weil ich Angst habe, dass ich den weiten Weg nicht schaffe oder unterwegs in Gefahr gerate und mich nicht schnell genug verstecken kann!“

Bommel verstand nur zu gut und forderte Lilo auf sich auf seinen Rücken zu setzen. Etwas langsamer als gewöhnlich - denn er wollte die kleine Fee nicht zu sehr durchschütteln - lief er den Weg zurück und brachte Lilo sicher zu ihrer Familie.

Die Regenbogenfee war außer sich vor Freude, denn inzwischen hatten sie alle bemerkt, dass Lilo fehlte und waren sehr in Sorge. Einige ihrer Geschwister wollten gerade ausschwirren, um sie zu suchen und freuten sich sehr, als sie wohlbehalten bei ihnen ankam. Lilos Mutter sah sich ihren verletzten Flügel an und verband ihn sorgsam. Das würde schnell wieder in Ordnung kommen meinte sie und wandte sich daraufhin an Bommel, um ihm ihren Dank auszusprechen.

Bommel wurde fast verlegen, als er die dankbaren Worte der Regenbogenfee hörte, aber was sie abschließend sagte, ließ sein Herz vor Freude schneller schlagen: „Ich stehe in deiner Schuld, Bommel, und deswegen will ich dir deinen Wunsch erfüllen und dich in unsere Tätigkeit einführen!“ Er wollte sie schon mit dankbaren Worten unterbrechen, aber sie hob die Hand und sprach weiter: „Ich möchte, dass du dir über Folgendes klar wirst: Ich besitze die Fähigkeit, dich mit den Talenten auszustatten, die du für dieses Handwerk brauchst, bedenke aber, dass eine Gabe allein nicht ausreicht, du musst auch Arbeit und Zeit investieren um alles zu bewältigen. Komm morgen wieder hierher und wir werden dir zeigen, was du wissen und können musst, dann sehen wir weiter!“

Bommel folgte ihrer Aufforderung und erschien am nächsten Tag in der Osterwerkstatt. Er freute sich zu sehen, dass Lilos Flügel wieder geheilt war und es ihr auch sonst gut ging. Lilo war es auch, die ihn strahlend empfing. Sie nahm ihn freundschaftlich an die Hand und führte ihn überall ein.
Die Regenbogenfee hielt Wort, sie versorgte ihn mit dem nötigen Talent, so dass er das Färben der Eier und das Anfertigen der Nester schnell beherrschte.
Seine anhaltende Begeisterung und die Geduld, die er für die anfallenden Arbeiten aufbrachte, überzeugten die Regenbogenfee schließlich, dass er wie geschaffen für diese Aufgabe war.

Der Ostermorgen brach an. Bommel durfte mit der Feenschar gemeinsam die Eier verstecken. Sie hatten ihm einen Korb für seinen Rücken angefertigt, in dem er viele Eier transportieren konnte. Mit etwas Feenstaub wurde sichergestellt, dass in dem Korb kein Ei zu Bruch ging. Alles ging gut. Bommel hatte viel Spaß beim Verstecken der Eier, aber am meisten freute er sich, als er nach getaner Arbeit aus sicherer Entfernung die Kinder beobachten konnte, die ihre Nester suchten. Der Freudenschrei der Kinder, wenn ein Nest gefunden wurde, war der schönste Lohn für die Mühen der letzten Tage.

Als Bommel zur Osterwerkstatt zurückkam, war er traurig, weil er wusste, dass es der letzte Tag für ihn war. Die Regenbogenfee und ihre Töchter waren schon mit dem Aufräumen der Werkstatt fertig und sahen ihm entgegen. Bommel nahm seinen Osterkorb vom Rücken und wollte sich schon von allen verabschieden, als die Feen auseinander gingen und ihm so den Blick auf eine reich gedeckte Festtafel frei gaben. Auf seinen freudig erstaunten Blick hin erklärte ihm Lilo: „Wir feiern den Abschluss des Osterfestes. Die Vorbereitungen sind uns in diesem Jahr durch deine Hilfe viel leichter geworden, deshalb sollst du unser Gast sein und Mama will dir noch einen Vorschlag machen!“

Und was das für ein Vorschlag war! Bommel glaubte zu träumen, als ihm die Regenbogenfee vorschlug in Zukunft als selbständiger Leiter die Vorbereitungen des Osterfestes zu übernehmen.
Die Feen würden nur noch da hilfreich eingreifen, wo es nötig war, zum Beispiel beim Sammeln und wenn nötig beim „Kochen“ der Ostereier, auch wurde die Bereitstellung der Farben garantiert und der Schutz der fertigen Eier beim Transport im Osterkorb. Alles andere sollte in Zukunft seine Sache sein. Er würde weitere Hasen und Häsinnen in die erforderlichen Tätigkeiten einweisen müssen deshalb war nicht daran zu denken, dass er bis zum nächsten Jahr Ruhe hätte.
Nachdem Bommel diesem Vorschlag aus frohem Herzen zugestimmt hatte wurde er von ihr offiziell zum „Chef-Osterhasen Bommel“ ernannt.
Die Regenbogenfee und ihre Kinder waren froh endlich den Richtigen für diesen Job gefunden zu haben und sorgten dafür, dass sich der Osterhase im Bewusstsein der Menschen einnistete.

So wurde Bommel der erste Osterhase und er hat es nie bereut, wenn er auch oft an die Worte der Regenbogenfee denken musste, die damals sagte: „Talent allein reicht nicht aus, du musst auch Arbeit und Zeit investieren!“ Wie recht sie hatte, aber es lohnte sich.

Mit der Zeit baute er mit seiner Hasenschar die Osterwerkstatt aus und sie eröffneten eine Osterhasenschule. Dort lernen Hasenkinder das Färben und Bemalen der Ostereier und das Flechten der Nester. Außerdem entstand nach einigen Jahren eine Osterfabrik, in der unter anderem Eier und Hasen aus Schokolade, kleine Bälle und Plüschtiere in Form von Hasen, Küken und Lämmern hergestellt werden.

Alle Nachfahren Bommels traten in seine Fußstapfen und führen so die Tradition des Osterhasen bis in die heutige Zeit fort.

© Anita Menger 01/2020


Anita Menger
Frühlingserwachen

Es war Freitag, ein Vorfrühlingstag wie aus dem Bilderbuch. Die Sonne schien, frische Knospen und erstes Grün drängten ans Licht. Im Gegensatz zum frühen Morgen war es jetzt zur Mittagszeit angenehm mild. Viele Menschen zog es ins Freie, so dass hier in der Parkanlage ein munteres Treiben herrschte.

Ingeborg, die auf dem Heimweg war, nahm jedoch nichts davon wahr. Sie ging mit müden Schritten durch den Park, ohne ihrem Umfeld auch nur einen Blick zu schenken.
Sie sah weder den Hund, der übermütig bellend einem von seinem Frauchen geworfenen Stöckchen nachjagte, noch die Kinder, die fröhlich Verstecken spielten. Selbst das muntere Gezwitscher und Gerangel der Vögel, die sie früher so gern beobachtet hatte, konnte sie nicht aus ihrer Lethargie reißen.

Nach ihrem 4-stündigen Arbeitstag fühlte sie sich so müde und ausgelaugt, als hätte sie einen 12-Stunden-Tag hinter sich. Früher hätte sie so einen stressigen Tag wie heute locker weggesteckt. Das Alter machte sich eben doch langsam bemerkbar. In ein paar Monaten wurde sie immerhin schon 62 und die Krankheiten und Schicksalsschläge der letzten Jahre hatten ihre Spuren hinterlassen. Dennoch hatten sie und Werner, ihr Mann, die Krisen überstanden, es ging ihnen verhältnismäßig gut. Trotzdem, im Moment wurde ihr alles zu viel.

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In der Firma musste sie sich jeden Tag die ewigen Nörgeleien ihres Chefs anhören und bekam gleichzeitig die Ungeduld und Verärgerung vieler Kunden zu spüren. Dazu kam ihre eigene Unzufriedenheit, musste sie doch heute das allein bewältigen, was früher zwei Angestellte geschafft hatten. Zudem war es ihr wegen mangelhafter Ausstattung nicht möglich effektiv zu arbeiten. Als ob das nicht schon genug wäre, tötete ihr das ewige Klingeln des Telefons noch den letzten Nerv.

Kam sie nach der Arbeit nach Hause, wartete Werner, ihr Mann, der bereits in Rente war, auf sie und teilte ihr die neuesten Nachrichten mit, wobei er sich nach Herzenslust Luft machte. Das war auch ganz in Ordnung, sie hatten es schon immer so gehalten, dass sie sich abends erzählten, was es Neues gab. Aber Ingeborg hätte sich gewünscht, es gäbe öfter einmal etwas Erfreuliches worüber sie sich unterhalten könnten, stattdessen schien es so, als wären sie nur noch von Krisen, Gewalttätigkeiten und Katastrophen umgeben. Ob sie nun die Zeitung aufschlug oder das Fernsehgerät einschaltete, überall erwarteten sie negative Nachrichten, selten, dass einmal etwas Positives berichtet wurde. Man konnte fast den Glauben an die Menschheit verlieren.

Noch immer vertieft in ihre Gedanken übersah Ingeborg den kleinen Cockerspaniel, der ihr vor die Füße lief und geriet ins Stolpern. „Hoppla!“ hörte sie eine frische, männliche Stimme und fühlte eine starke Hand an ihrem Arm, die sie vor einem Sturz bewahrte. „Oh – vielen Dank!“ stammelte Ingeborg, hob den Kopf und begegnete dem freundlichen Blick eines jungen Mannes. „Nichts zu danken, tut mir leid, dass mein Tasso sie beinahe zu Fall gebracht hätte!“, antwortete er mit einem sympathischen Augenzwinkern.
„Ist auch wirklich alles in Ordnung mit ihnen?“, fragte er gleich darauf besorgt. „Aber natürlich, mir ist nichts passiert!“, erwiderte Ingeborg und gab sein Lächeln, noch etwas unsicher, zurück.
Nachdem Tasso auf den Pfiff seines Herrchens zu ihm zurückgekommen war und sich der junge Mann nochmals überzeugt hatte, dass Ingeborg unversehrt war, verabschiedete er sich freundlich und setzte seinen Weg fort.

Ingeborg ging noch ein paar Schritte, entdeckte eine Bank und setzte sich. Das kurze Zwischenspiel hatte sie aus ihren trübsinnigen Gedanken gerissen. Fast verwundert nahm sie den lauen Frühlingswind in ihren Haaren und die angenehme Wärme der Sonne auf ihrer Haut wahr.
In Gedanken sah sie wieder dieses lustige Augenzwinkern des jungen Mannes, es erinnerte sie an die erste Begegnung mit Werner. Damals, als sie sich kennenlernten, hatte er mit einem ebenso fröhlichen Zwinkern in seinen strahlenden Augen ihr Herz gewonnen.

Sie lächelte und gleichzeitig regte sich ihr Kampfgeist: Nein, sie würde sich nicht unterkriegen lassen, sie wollte ihre Lebensfreude zurückgewinnen und mit ihrem Mann jeden Tag, der ihnen gemeinsam vergönnt war, genießen. Entschlossen stand sie auf, um ihren Heimweg fortzusetzen.
Unterwegs fiel ihr ein, was ihr eine Freundin kürzlich erzählt hatte: Sie hatte im Internet eine Seite gefunden, die ihrem Namen „Nur positive Nachrichten“ alle Ehre mache.
Ingeborg wollte gleich heute Abend danach suchen und sie sich zusammen mit Werner ansehen. Außerdem musste sie unbedingt mit ihm sprechen und ihm erklären, was in ihr vorging. Sie wusste, dass er sich Sorgen um sie machte, seine Blicke sprachen Bände, aber bisher konnte sie nicht mit ihm reden, da ihr selbst nicht ganz klar war, worin ihr Problem lag.

Als sie nach Hause kam, begrüßte Werner sie erleichtert und nahm sie in den Arm. Er hatte Ängste ausgestanden, da sie länger ausgeblieben war als sonst. Als er ihr aber in die Augen sah, wusste er, dass alles in Ordnung war, er hatte seine Ingeborg wieder, die Frau, die er liebte und um die er sich in letzter Zeit so gesorgt hatte.

Am nächsten Tag gingen sie zusammen im Park spazieren, fütterten die Enten am Teich, freuten sich über das Gezwitscher und muntere Treiben der kleinen Spatzen und genossen mit allen Sinnen den erwachenden Frühling.
Sie redeten und lachten, und als Ingeborg in Werners Augen sah, entdeckte sie darin wieder dieses lang vermisste, fröhliche Zwinkern.

© Anita Menger 01/2020


Anita Menger
Das widerspenstige Schneeglöckchen

„Aufwachen, es wird höchste Zeit!“, rief die Zwiebel des Schneeglöckchens zum wiederholten Male. Gähnend kam die mürrische Antwort: „Ach du, lass mich weiterschlafen – ich sehe nicht ein, warum wir immer so zeitig raus müssen!“
„Aber du weißt doch, dass die Menschen und vor allem aber auch die Hummeln, Bienen und Käfer auf euch warten!“, mahnte die Zwiebel. „Na und? So schlimm wird es schon nicht sein, wenn ich später komme – letztes Jahr habe ich gehört, dass es Schneeglöckchenarten gibt, die erst im Herbst blühen!“, trotzte das Schneeglöckchen.
„Aber du gehörst nun einmal zu der frühen Sorte, die den Frühling einläutet und, mit wenigen anderen Pflanzen, den ersten, überlebenswichtigen Nektar für Hummeln und Bienen spendet!“, entgegnete die Zwiebel. „Meine Schwestern können ja schon einmal vorausgehen, die freuen sich ja immer mächtig zu den Ersten zu gehören!“, antwortete das Schneeglöckchen uneinsichtig und setzte abschließend hinzu: „Ich komme nach, wenn ich ausgeschlafen habe und jetzt lass mich endlich in Ruhe!“

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Die Zwiebel seufzte, sie drang einfach nicht zu ihrem Pflänzchen durch. Schon letztes Jahr hatte es ihre ganze Überredungskunst gekostet das Schneeglöckchen dazu zu bewegen, sich rechtzeitig auf den Weg ans Tageslicht zu machen. Es musste wohl erst aus Erfahrung klug werden. So ließ sie es schweren Herzens schlafen.

Indessen machten sich die Geschwister des Schneeglöckchens auf ihren mühsamen Weg durch die noch harte Erdschicht, um ans Tageslicht zu gelangen. Oben angekommen, schüttelten sie ihre Glöckchen, um sie von den Erdresten zu befreien und ließen sie vorsichtig schwingen. Mehr brauchte es nicht um die ersten Hummeln anzulocken, die sie begeistert umschwärmten und dankbar ihren sehnlichst erwarteten Nektar sammelten. So blühten sie, bis sich ihre Zeit dem Ende näherte und sie zu welken begannen.

Endlich war auch das widerspenstige Pflänzchen aufgewacht. Es streckte sich gähnend und machte sich in aller Ruhe auf den Weg an die Erdoberfläche. Wie freute es sich, dass die Erde schon viel weicher war. Es musste sich kaum noch anstrengen. So kam es ausgeruht und gut gelaunt ans Tageslicht.
Kaum, dass es seinen Kopf durch die Erde gesteckt hatte, sah es sich um und entdeckte seine Schwestern, die sich allerdings schon auf dem Rückzug befanden. „Bleibt doch noch ein bisschen hier!“, bat das Schneeglöckchen. „Das geht nicht, wir haben die uns bestimmte Zeit hier verbracht, jetzt sind wir müde und müssen uns zurückziehen, um neue Kräfte für das nächste Jahr zu sammeln!“, antworteten seine Schwestern.
„Na gut!“, dachte sich das Schneeglöckchen. „Dann können sich die Hummeln und Bienen auf mich konzentrieren, wie dankbar werden sie mir sein, dass ich noch hier bin!“ Aber da täuschte sich das Schneeglöckchen gewaltig. Weder Bienen noch Hummeln waren an ihm interessiert. So sehr es sich auch streckte und sich bemühte seine Glöckchen zum Klingen zu bringen, die Insekten ließen es links liegen.
Die Erklärung dafür erhielt das Schneeglöckchen, als eine Hummel mit ihrem Kind vorbeiflog. Die kleine Hummel rief ihrer Mutter zu: „Schau Mami, da ist noch ein Schneeglöckchen, wollen wir nicht seinen Nektar mitnehmen?“ Die große Hummel warf einen prüfenden Blick auf das kleine Schneeglöckchen, schnupperte und antwortete daraufhin kopfschüttelnd: „Nein, das lohnt sich nicht, schau doch, wie mickrig dieses Pflänzchen ist - sicher ist es krank oder es hat seine Zeit überschritten!“ Sie flogen weiter, ohne dem Schneeglöckchen noch einen Blick zu gönnen.

Das Schneeglöckchen war über das Gehörte sehr erschrocken. Es sah prüfend an sich herunter. Die Hummel hatte Recht, es war wirklich viel zarter als im Jahr zuvor. Da fielen ihm die Worte seiner Zwiebel ein, die erklärt hatte, dass der Kampf an die Erdoberfläche wichtig war, damit es groß und stark werden konnte. Ohne diese Anstrengung würde es eine schwache und kümmerliche Pflanze, die nicht fähig wäre, diesen reichhaltigen und wohlriechenden Nektar zu produzieren, den Hummeln und Bienen im Frühjahr so nötig brauchen. Das Schneeglöckchen musste erkennen, dass alles, was ihre Zwiebel ihr erzählt hatte, ehrlich und gut gemeint war. Es wurde sehr traurig und fing leise zu weinen an.

Die Zwiebel spürte die Verzweiflung ihres Pflänzchens und hatte Mitleid mit ihm. Sie setzte den Prozess des Welkens in Gang, so dass das Schneeglöckchen fühlte, dass es zurückgeholt wurde. In diesem Wissen überstand es die letzten trostlosen Tage seines Blühens leichter und ergab sich reumütig seinem Schicksal. Es war nicht leicht so unnütz und ungeliebt zu blühen, deshalb nahm es sich ehrlich vor in Zukunft ohne Murren zur rechten Zeit aufzustehen und seiner Bestimmung zu folgen.

Und tatsächlich, im nächsten Jahr war unser Schneeglöckchen eines der ersten an der Erdoberfläche. Es reckte sich stolz zu seiner vollen Größe auf, schüttelte sich sauber und ließ seine Glöckchen sanft schwingen. Voller Freude hörte es ihren zarten Klang und sah die ersten Hummeln auf sich zu fliegen, um dankbar seine Pollen und den reichhaltigen Nektar zu sammeln.

Als seine Geschwister nach und nach das Tageslicht erreichten, sahen sie erfreut, dass das Schneeglöckchen zur Vernunft gekommen war. Sie begrüßten sich mit großem Hallo und stimmten gemeinsam voller Freude das Lied der Schneeglöckchen an:

´s ist Schneeglöckchenzeit,
seht her, wir sind bereit!
Hell klingen unsre Glöckchen:
Ade ihr Winterflöckchen!
Der Frühling ist nicht weit,
´s ist Schneeglöckchenzeit!

 

 

© Anita Menger 01/2020


Anita Menger
Ein friedlicher Adventssonntag

Eleonore trat aus dem Haus und ging in Richtung des kleinen Weihers. Sie hoffte, dass sie dort, wie schon so oft, einen klaren Kopf bekommen würde. Das soeben Erlebte hatte sie doch ziemlich aufgewühlt, dabei hatte sie sich so auf einen friedlichen Adventssonntag gefreut.
Wie konnten sich zwei Brüder, die sich in der Regel gut verstanden, nur so in Rage reden?

Seit Monaten ging es um dasselbe Thema. Bei jedem Treffen kam es zu einer Diskussion über die Flüchtlingspolitik. Sie hatte gehofft, dass jetzt in der Vorweihnachtszeit damit Schluss wäre, aber im Gegenteil, mehr denn je erhitzten sich die Gemüter der beiden Männer bei ihrem Streitgespräch.

Eleonores Mann Hans, ein junger Ingenieur, sah die „Offene-Arme-Politik“ der jetzigen Regierung mit Vorbehalt und machte sich große Sorgen über die Zukunft.
Joachim sein jüngerer Bruder, der als Sozialarbeiter mit Jugendlichen arbeitete, stand dieser Politik vorbehaltlos positiv gegenüber und, wie es seine Art war, spielte er die Ängste des Bruders herunter.

Eleonore wusste, dass Hans, auch wenn es sich manchmal nicht so anhörte, durchaus bereit war Menschen in Not im Allgemeinen und natürlich auch Flüchtlingen zu helfen, doch er sah mit Besorgnis, dass unter den Flüchtlingen, die ankamen, auch Menschen waren, die nicht wirklich auf Hilfe angewiesen waren und, was ihm noch mehr Sorgen bereitete, auch solche, die Gewalt und Terror mit ins Land brachten.
Joachim dagegen sah erst einmal nur, dass Menschen Hilfe benötigten und war der Ansicht, dass Deutschland, als reiches Land, nicht zögern dürfte, diese Hilfe zu gewähren. Die Bedenken seines Bruders schob er achtlos beiseite, obwohl er im Innersten sicher wusste, dass sie nicht ganz unberechtigt waren.

Als sie den Weiher erreicht hatte hörte Eleonore plötzlich die Stimme ihres Schwiegervaters. „Was machst du denn hier draußen?“, fragte er und äußerte gleich darauf augenzwinkernd die Vermutung: „Bist wohl vor den beiden Streithähnen geflüchtet?“ Sie nickte nur und eine Weile sahen beide schweigend auf das Wasser.

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„Wem von beiden gibst du Recht?“ fragte sie aus ihren Gedanken heraus ihren Schwiegervater.
„Beiden und doch keinem“ antwortete er rätselhaft. „Im Grunde haben beide gute Argumente!“ - "Es geht aber auch gar nicht darum, wer Recht hat, sondern, dass sie sich gegenseitig annähern!".
"Dies sollten auch die Regierungsparteien beherzigen und nicht stur auf dem eigenen Standpunkt beharren, sondern sich zusammensetzen und ohne Vorbehalte einen Weg suchen, mit dem sie die schwierige Situation in den Griff bekommen.
Vor allem dürfen sie die Ängste und Sorgen der Bevölkerung nicht außer Acht lassen und müssen darauf eingehen, damit sich die Menschen nicht alleingelassen fühlen. Es wird nicht leicht werden und sicher immer wieder zu Konflikten führen, aber die Lage kann sich nur entspannen, wenn die Regierung und auch wir selbst miteinander statt gegeneinander arbeiten!".

Eleonore, die ihren Schwiegervater sehr gern hatte, schätzte seine Meinung und sie wusste, dass er seine beiden Söhne, so unterschiedlich sie auch waren, gleichermaßen liebte. Er verstand es in der Regel zwischen ihnen zu vermitteln, aber er wusste auch, dass man die beiden manchmal eine Sache ausfechten lassen musste. Bisher hatten sie sich noch immer versöhnt und er war sicher, dass das auch diesmal so sein würde.
„Ich denke, wir sollten jetzt langsam zurückgehen und sehen, ob sich die beiden Hitzköpfe beruhigt haben!“ sagte er gerade. „Woher sie das nur haben?“ fragte Eleonore schmunzelnd. „Na, von ihrer Mutter natürlich!“ meinte er. Sie lachten beide und gingen einvernehmlich zum Haus zurück.

Dort hatte sich die Situation tatsächlich entspannt. Hans und Joachim saßen gemütlich am Tisch, der zum Adventskaffee eingedeckt war. Ihre Mutter brachte gerade einen Teller mit selbstgebackenen Plätzchen und wie verabredet langten beide gleichzeitig zu und wollten eines davon stibitzen. „Nichts da, es wird gewartet, bis alle da sind!“ sagte ihre Mutter und gab ihnen lachend einen zärtlichen Klaps auf die Finger.

Als Eleonore und ihr Schwiegervater eintraten, rief Hans ihnen zu: „Da seid ihr ja endlich!“ - „Wird aber auch Zeit!“ schloss sich Joachim an, „ich habe Kaffeedurst“.

Es wurde noch ein schöner, harmonischer Nachmittag. Die Familie saß beisammen, redete und lachte miteinander, es war genauso wie es sich Eleonore gewünscht hatte.
Für einen Moment gab sie dem Gedanken Raum: „Könnte es doch immer und überall so sein!“, aber dann schob sie ihn entschlossen zur Seite und genoss das friedliche Beisammensein.

 © Anita Menger 2019

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